einfach singen

Psychische Erkrankungen betreffen immer den ganzen Menschen in all seinen Lebenszusammenhängen. Die Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht in zentralen Lebensbereichen, die viele psychisch erkrankte Menschen empfinden, können häufig trotz professioneller Behandlung nicht leicht überwunden werden.

Das Angebot „einfach singen“ ist daher nicht gedacht als ein weiterer Baustein eines ambitionierten Behandlungskonzeptes. Stattdessen soll es eine Ergänzung und ein spielerischer Ausgleich zu den therapeutischen Angeboten im engeren Sinne sein. Einmal in der Woche sind Patienten, Ehemalige, Angehörige und Teammitglieder eingeladen, unter Anleitung von professionellen Sängerinnen und Sängern gemeinsam zu singen. Gesungen wird, was die Teilnehmenden sich wünschen oder mitbringen. Sie erleben den Zusammenhang zwischen „Stimme“ und „Stimmung“ – sowie den positiven Einfluss des Singens auf beides.

Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass Singen die Aktivierung von Ressourcen und damit Selbstheilungskräfte und Selbstwertgefühl fördert. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen zudem: Das Singen ohne Leistungsanspruch und Konkurrenzdruck wirkt befreiend, lässt verschüttet geglaubte Emotionen spürbar werden und mindert Ängste. Das Gemeinschaftsgefühl und die Fähigkeit, einen positiven Kontakt zu anderen Menschen aufzubauen, werden gestärkt. 

Denn die wichtigste Erfahrung des Angebotes – für Patienten, Angehörige und auch Mitarbeiter – ist: „einfach singen“ macht einfach Spaß!

Nach dem Start in der Tagesklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Hilden der LVR Klinik Langenfeld ging „einfach singen“ inzwischen in die Multiplikation an verschiedenen psychiatrischen Kliniken im Rheinland. Finden Sie hier alle zurzeit teilnehmenden Kliniken.

Nachhaltigkeit ist im Zusammenhang mit derartigen Angeboten unerlässlich, daher bemühen wir uns für die teilnehmenden Kliniken und Institutionen, einen Weg der Fortsetzung und möglichweise sogar einen Weg der Integration zu finden. In einer Stadt wird bereits vom Kulturamt eine Kooperation mit der Musikschule gefördert und in der überwiegenden Zahl der Fälle gelingt dies gut. Es ist geplant, derartige Kooperationsformen auch in den anderen Städten zu realisieren, so können ehemalige, interessierte Patienten und ihre Angehörigen in neu gegründete oder auch schon bestehende Chöre vermittelt werden.

Diese Form der Etablierung und Nachhaltigkeit ist uns besonders wichtig, da das Projekt erst damit seine volle Wirksamkeit und Breite entwickeln kann.

Hier finden Sie einen Artikel aus der Psychosozialen Umschau (2017: Ausgabe 2) über einfach singen.



Wir sind sehr stolz und es ist uns eine ganz besondere Ehre, dass Frau Annette Dasch, deutsche Sopranistin, die Schirmherrschaft für das Projekt „einfach singen“ übernommen hat. Danke, Frau Dasch!

„Keine Form der Kunst wirkt so intensiv und unmittelbar, wie die Musik. Wir lassen uns von ihr berühren, weil sie, anders als Sprache, nicht festlegt, nicht beschreibt, nicht wertet. Musik dringt in unsere tiefsten Schichten ein. Dort weckt sie oder erinnert uns an solches, für das es keine Worte gibt. Wenn Menschen gemeinsam singen, ist dies eine besondere Form der Kommunikation. Die Erfahrung des Sich-Äußerns mündet in der Freude des gemeinschaftlich entstehenden musikalischen Ausdrucks. Es ist mir daher eine Herzensangelegenheit die Schirmherrschaft für das Projekt „einfach singen“ der Eckhard Busch Stiftung zu übernehmen. Denn ob ein Mensch gesund oder erkrankt ist, der Gesang findet den Weg in die Seele eines jeden. Auf diese Weise verbindet Musik die Menschen der Welt und kann die Welt verändern.“

„einfach singen“ ist ein Projekt der Eckhard Busch Stiftung nach einer Idee von Susanna Staets mit maßgeblicher Unterstützung von Dr. Mechtild Pott (LVR Klinik Langenfeld).



einfach singen 2012 – 2014

Inzwischen ist unser Projekt „einfach singen“ eine Institution geworden, die Wellen geschlagen hat, weit über die Grenzen von NRW hinaus und das freut uns und macht uns stolz. Noch wichtiger ist aber, was „einfach singen“ bewegt bei den Patienten, Gesangslehrer und Ärzten.

Feedback von Patienten: „Singen macht Spaß, hebt die Stimmung, mindert Angst, fördert die Gemeinschaft, macht selbstbewusst, bringt Erinnerungen an gute Zeiten in der Kindheit. Über Gefühle beim Singen muss man nicht reden, sie nicht erklären."

Sogar außerhalb der Tagesklinik und der festen „einfach singen“ Termine treffen sich ehemalige Patienten privat zum Singen. Und diese Singgruppe wird von der Gesangslehrerin begleitet. Nach ihrer Entlassung kommen einige Patienten weiterhin zum Singen in die Tagesklinik und pflegen Kontakte.

Und ein Patient konnte aufgrund seiner bemerkenswerten Stimme sogar in einen bekannten Düsseldorfer Chor vermittelt werden.

Der Partner einer Patientin finanziert privat Gesangstunden bei der Gesangslehrerin, mit der die Patientin in der Tagesklinik gesungen hat, was ihr viel Spaß und Entspannung brachte.

In Zusammenarbeit mit einem Kulturamt wird versucht interessierte, ehemalige Patienten in örtliche Chöre zu vermitteln.

Pflegekräfte und Ärzte singen gemeinsam mit den Patienten in den Tageskliniken und sogar auch im stationären Bereich.

An einer Klinik ist ein gemeinsames Singen mit Eltern (Patienten) und deren Kindern geplant.

Eine Mutter (Patientin) berichtet, dass sie für ihr Baby singt, möchte dieses Lied mit der Gruppe in der Tagesklinik singen und auf Anregung der Gesangslehrerin werden weitere Lieder für das Baby vorgeschlagen und gesungen.

Den Gesangslehrern/Innen macht die Arbeit in den Tageskliniken und im stationären Bereich sehr viel Freude.

„Es ist für uns ein persönlicher Gewinn!“ - „Ich bin froh, dass ich dieses Angebot der Eckhard Busch Stiftung angenommen habe.“

Wir als Stiftung sind sehr stolz, dass wir dieses wunderbare und besondere Projekt fördern dürfen. Frau Susanna Staets gilt unser Dank für Ihr großes Engagement!


Evaluierung

Annette Bräutigam hat eine Evaluierung zu „einfach singen“ erstellt, die einen hervorragenden Einblick gibt in die Wirkungsweise des Projektes. Neben allen Erkenntnissen freut uns besonders die nachhaltige Wirkung des Projektes: in zahlreichen Kliniken in denen „einfach singen“ durch die Stiftung angestoßen wurde, wird heute in Eigenregie weiterhin mit den Patienten gesungen.

Wir danken Frau Bräutigam ganz herzlich für Ihre Arbeit.