Literatur

Hier finden Sie empfehlenswerte Literatur - sowohl für Betroffene als auch für deren Angehörige.

Mit der richtigen Ernährung gegen den Seelenblues Einfache und wirksame Hilfe bei Depression, Burnout und Stimmungstief

Autorin: Tanja Salkowski

Verlag: Penguin Random House / Kösel Verlag

Lieber gut essen statt schlecht drauf

Unsere Ernährung hat einen starken Einfluss auf unser seelisches Wohlbefinden. Das gilt auch für Menschen mit Depressionen, Burn-out oder Stimmungsschwankungen. Tanja Salkowski weiß das aus eigener Erfahrung. In diesem Buch erklärt sie die wichtige Rolle des Darms als Gute-Laune-Zentrale und wie Gefühle unser Essverhalten steuern. Außerdem verrät sie viele praktische Tipps und Tricks, die ihr dabei geholfen haben, den inneren Schweinehund bei Kochunlust selbst an Tagen zu überwinden, an denen man nicht mal die Energie hat, um überhaupt aufzustehen. Ihre Ruck-Zuck-Gerichte - von einfachen Ein-Topf-Rezepten über Wachmacher bis hin zu gesunden Snacks für träge Tage auf der Couch - bauen nicht nur mental auf, sie sind auch reinstes Seelenfutter. Dieses Buch möchte Betroffene dabei unterstützen, ihr Leben Schritt für Schritt wieder selbst in die Hand zu nehmen und das Gefühl von Selbstermächtigung zurückzugewinnen.

»Tanja Salkowski weiß aus eigener Erfahrung, dass man über das eigene Essverhalten seelische Verstimmungen besser regulieren kann. Ein kluges und hilfreiches Buch zu den Zusammenhängen zwischen Nahrung und Körper und wie man selbst Einfluss darauf nehmen kann.«

Klaus Bernhardt, Heilpraktiker für Psychotherapie und Bestsellerautor (22. Februar 2021)

Quelle: https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Mit-der-richtigen-Ernaehrung-gegen-den-Seelenblues/Tanja-Salkowski/Koesel/e575819.rhd

Wahnsinnig nah Ein Buch für Familien und Freunde psychisch erkrankter Menschen

Hg: BApK e.V.

Verlag: BALANCE ratgeber

Wer zum ersten Mal als Angehörige oder Freund mit einer psychischen Erkrankung konfrontiert ist, hat viele Fragen: Wie konnte es dazu kommen? Hätte ich mich mehr kümmern müssen? Was sagen die Freunde, was der Arbeitgeber? Muss ich jetzt die ganze Verantwortung übernehmen und wie lange soll das gehen? Wer unterstützt mich und wo finde ich verlässliche Informationen?

Der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK e. V.) ist der Herausgeber diese neuen Ratgebers für Familien und Freunde, die einen Menschen mit einer psychischen Erkrankung begleiten. In dem im Mai 2021 erschienenen Buch erzählen Mütter und Väter, Töchter und Söhne, Partnerinnen und Partner, Freundinnen und Freunde davon wie es gelingen kann, gemeinsam den oftmals schwierigen Alltag zu bewältigen. „Manchmal hätte ich meine Freundin am liebsten geschüttelt und angeschrien, ihr gesagt, dass sie sich mal zusammenreißen soll, es anderen viel schlimmer geht!“, beschreibt eine Autorin stellvertretend für viele andere ihre Gefühle.

Neben den persönlichen Erfahrungsberichten bietet das Buch Informationen zu Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten, die eine erste Orientierung im Hinblick auf die Vielzahl psychosozialer, psychotherapeutischer und medizinischer Hilfeangebote geben. Tipps zur einer rücksichtsvollen Kommunikation und selbstverantwortlichen Achtsamkeit helfen, mit den Betroffenen in Kontakt zu bleiben und dabei die eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren.

erste Auflage 2021, Köln
160 Seiten, kartoniert, ISBN: 978-3-86739-190-0

Quelle: www.bapk.de/publikationen/produkt.html

Depression - und jetzt? Wegweiser einer Erfahrungsexpertin

Autorin: Nora Fieling

Verlag: Starks Sture

Die erfolgreiche 35-jährige Bloggerin Nora Fieling veröffentlicht im Starks-Sture Verlag ihr erstes Buch. Ein Wegweiser für Betroffene von Depressionen und deren Angehörige, der neben fachlichen Informationen einen tiefen Einblick in die persönlichen Erfahrungen der Autorin mit der Krankheit gibt.

In “Depression - und jetzt?” erhält der Leser wertvolle Unterstützung von der Autorin und erfahrenen Peer-Beraterin Nora Fieling. Ihr Erleben, ihre Erkenntnisse und das gesammelte Fachwissen in Bezug auf die Depression gibt sie nicht mehr nur auf ihrem Blog “Nora Fieling - Ja zum Gefühl” weiter, sondern ab sofort auch in Buchform.
Warum ich? Was nun? Therapie oder Selbsthilfegruppe? Medikamente ja oder nein? Psychologe oder Psychiater - welcher Arzt ist der richtige für mich? Wo finde ich die passende Hilfe? Welche Therapie wird von der Krankenkasse erstattet? Wie gehe ich mit dem Thema Arbeit und Krankheit um? Wie kann ich oder wie können meine Angehörigen mir helfen?
Diesen und anderen Fragen zum Thema geht Fieling in ihrem Buch auf den Grund. Dabei nimmt sie den Leser an die Hand und unterstützt ihn bei den ersten Schritten nach der Diagnose. Betroffene und Angehörige erhalten hilfreiche Tipps für den Umgang mit Problemen, denen sie im Alltag immer wieder ausgesetzt sind.
Nora Fieling, Erfahrungsexpertin mit Herz, gibt nicht nur konkrete Hilfestellungen, sondern macht durch einen tiefen Einblick in ihre persönlichen Erfahrungen vor allem Mut. Einfühlsam und inspiriert durch die Erlebnisse von Nora erhält der Leser Antworten auf wichtige Fragen zum Thema Depression.

Weitere Informationen zum Buch und zur Autorin erhalten Sie unter:
https://www.starks-sture-verlag.de/buecher/neuerscheinungen/depression-und-jetzt

Text aus der Pressemitteilung zum Buch


Bildquelle: Nora Fieling

Autismus hautnah

Aus dem Rahmen gefallen. Praktische Autismuskunde von einem, der es wissen muss. (2020)

Der Straßensammler. Die unglaublichen Erlebnisse eines autistischen Weltreisenden. (2016)

Kein Anschluss unter diesem Kollegen. Ein Autist im Job. (2014)

Der Junge vom Saturn. Wie ein autistisches Kind die Welt sieht. (2013)

Ein Kaktus zum Valentinstag. Ein Autist und die Liebe. (2012)

Autor: Dr. Peter Schmidt

Verlag: Patmos

Dr. Peter Schmidt ist ein Vielschreiber. Fünf Bücher hat er bereits veröffentlicht. Inhalt: Sein Leben mit Asperger-Autismus. Die Diagnose erfuhr Peter Schmidt erst mit 41 Jahren. Da ist er längst Diplom-Geophysiker, Dr. rer. nat., in verschiedenen Funktionen auch international tätig, u. a. als IT-Experte, verheiratet und Vater von zwei Kindern.

In seinen Büchern erzählt er von all den Hürden, die ein Autist bewältigen muss, um sich in von „Normalos“ geprägtem Alltag zurechtzufinden. Dabei beschönigt Schmidt die Kompliziertheit des Kontakts mit Autisten nicht. Er „tickt“ wie alle Menschen mit dieser Diagnose, die sich durch Schwierigkeiten im Umgang mit Mitmenschen, in der Kommunikation und in sich wiederholenden und stereotypen Verhaltensweisen äußert. Aber er fordert von seinem Umfeld mehr Empathie, Verständnis und Akzeptanz.

Beeindruckend, rührend und oft zum Schmunzeln sind seine Bemühungen, sich jedes noch so schwierige Terrain zu erschließen – sei es in der Schule, im Studium und Beruf und, besonders wichtig – in der Liebe. Denn eins ist für ihn schon früh klar: Alleinsein will er nicht, eine eigene Familie gehört zu seiner Lebensplanung. Dazu muss er eine passende Frau finden. Doch wie kann das gehen? Smalltalk und Flirten sind nicht sein Ding, mit Computern kann er besser als mit Menschen. Deshalb schreibt er eine Checkliste mit für ihn wichtigen Punkten, mit der er mögliche Ehefrauen testet. Er quält sich aber auch durch Liebesfilme, um sich Anregungen zu holen, und lässt sich von seiner Vermieterin, einer älteren, ostpreußischen Dame, in Flirt- und Sexualkunde beraten. Sein (Erfolgs-)Rezept: man muss in einer Frau Sehnsucht erwecken, durch schöne Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes zum Beispiel. Mit Sehnsüchten kennt er sich aus, da „funktioniere ich wie alle anderen auch, auch wenn ich ansonsten emotional und zwischenmenschlich anscheinend ganz anders gepolt bin.“

Bei seiner zukünftigen Ehefrau Martina passt dann alles: sie erfüllt die meisten Kriterien der Checkliste – und: es „knistert“ auch gehörig zwischen ihnen. Sie ist „verblüfft von seiner Andersartigkeit und total fasziniert von seiner Intelligenz“, sagt sie in einem Vortrag auf einer Autismustagung in Bad Boll („Mein Mann ist besonders.“; www.ev-akademie-boll.de/fileadmin/res/otg/501010-Schmidt.pdf). „In jedem Gespräch konnte ich etwas lernen, und ich liebte diese Gespräche mit Sinn und Zweck, über tiefe philosophische Themen, über Gott und die Welt so sehr, dass ich sie mein Leben lang haben wollte. Ich wollte gerne die Frau seiner Träume sein.“ Sie liebt ihn und nimmt ihn wie er ist, baut Brücken und leistet Übersetzungshilfen, wenn er etwas nicht versteht oder nicht bewältigen kann. Welch ein Glück für Peter Schmidt, solch einen Menschen an der Seite zu haben.

Das Buch „Ein Kaktus zum Valentinstag“ berührt nicht nur durch offene, freimütige Beschreibungen, insbesondere über die Beziehungen zu seiner Frau und seinen Kindern. Die mit ungewöhnlich lautmalerischen (der drohglockende, rot-weiß gestangte, klengschrankende Bahnübergang) und bildhaften (es regnet im Gesicht) Formulierungen geschriebenen Geschichten zeugen von einer eigenen Poetik und hoher Fabulierkunst.

Seinem neuesten Buch „Aus dem Rahmen gefallen“ merkt man die gewonnene Schreibroutine an. Sprachlich kommt es geschliffener daher, inhaltlich bietet es seine ganzen Erfahrungen als Autist. Sämtliche Lebensphasen und Alltagswelten werden in eigenen Kapiteln behandelt: Schule, Arbeit, Familie. Differenziert, reflektiert und mit vielen Beispielen und Empfehlungen, sodass man zum einen nachfühlen kann, welche Anstrengungen es bedeutet, als autistischer Mensch in einer nicht-autistischen Umwelt zurecht zu kommen. Zum anderen ermöglichen die praktischen Hinweise, einen leichteren Zugang zu autistischen Menschen zu bekommen und einen adäquateren Umgang zu entwickeln, was insbesondere für Schule und Arbeitsplatz bedeutsam ist.    

Peter Schmidt eröffnet mit seinen Büchern Einsichten in eine autistische Innenwelt aus erster Hand. Sie sind autobiografisch und fachlich zugleich. Dazu unterhaltsam und vergnüglich zu lesen durch die „farbige“ Sprache mit genialen Eigenschöpfungen. Ein großartiger Schatz für alle, die privat und beruflich mit autistischen Menschen zu tun haben. Und auch ein Beispiel, wie Inklusion gelingen kann.

Noch mehr über Peter Schmidt erfährt man auf seiner Website: http://dr-peter-schmidt.de/

Und dann sei noch auf das Selbsthilfebuch Autismus von Silke Lipinski verwiesen, das 2020 im Balance buch+medien verlag erschienen ist. Silke Lipinski ist selbst Asperger-Autistin, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Institut für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin, mit Arbeitsschwerpunkt ambulante Psychotherapie für Erwachsene im Autismus-Spektrum. Ihr Buch ist ein Ratgeber für erwachsene Betroffene, die ihren Forschungsergebnissen zufolge therapeutisch schlechter versorgt sind als Jugendliche. In verständlicher Sprache benennt sie die fachlichen Grundlagen und informiert darüber, was die Diagnose bedeutet und was der Person helfen kann. Ziel ihres Buches ist, autistische Menschen zu ermutigen, sich selbst kennenzulernen, und ihnen Strategien für die Bewältigung ihres Alltags an die Hand zu geben. Zur Unterstützung bietet der Verlag Arbeitsblätter als Downloadmaterial an.

Rezension von Ute Hüper


Bildquelle der obigen 5 Bilder: dr-peter-schmidt.de


Bücher, die Kinder stark machen!

Wenn Eltern psychisch erkranken, sind Kinder in besonderer Weise betroffen. Viele fühlen sich schuldig, weil sie denken, Mutter oder Vater geht es ihretwegen schlecht. Oder sie übernehmen früh Verantwortung, kümmern sich um jüngere Geschwister und organisieren das Familienleben. Was brauchen Kinder in solch einer Situation? Wie kann man sie unterstützen, wie überhaupt erklären, was Vater oder Mutter so verändert hat?

Bücher sind dafür eine gute Wahl. In ihnen steckt eine freundliche und heilsame Kraft, die es vermag, Kindern Mut zu machen. Mit Bildern und Geschichten, in denen sie sich wiederfinden können.

Es ist bemerkenswert, bei wie vielen Verlagen es inzwischen eigene Kinderbuchreihen gibt, die sich speziell mit psychischen Erkrankungen, Süchten oder – etwas weiter gefasst – mit schwierigen Lebenssituationen (von Kindern) befassen.

Ob zu ADHS, Autismus-Spektrum-Störung, Borderline, Depression, Magersucht, Psychose, Regenbogenfamilien, Resilienzförderung, Süchte, Tod, Unfallfolgen, Zwänge etc. – zu allen Themen wird man fündig. Eins haben alle gemeinsam: Sie wollen erklären und Kinder stärken.

So gibt es Bilderbücher, die bereits kleinen Kindern die psychischen Erkrankungen von Eltern oder Familienangehörigen verständlich machen. Andere thematisieren Probleme von Kindern selbst, wie zum Beispiel Ängste. Die kurzen Geschichten sind altersgerecht konzipiert und werden meist aus kindlicher Perspektive erzählt. Beliebt sind auch Tiere, die stellvertretend diese Rolle übernehmen.

Für Eltern, Angehörige, Therapeut:innen, Erzieher:innen und Lehrer:innen sind diese Bücher ebenfalls eine große Hilfe, weil sie unterstützend bei Gesprächen mit betroffenen Kindern eingesetzt werden können. In den Geschichten findet man genügend Anknüpfungspunkte, über Gefühle zu reden oder sie leichter zugänglich zu machen. Sie können Kindern dabei helfen, eine andere Sichtweise einzunehmen, und sie motivieren, auf ihre eigenen Fähigkeiten zu vertrauen.

Fast immer enthalten die Bücher fachliche Informationen sowie Anlaufstellen, bei denen man Unterstützung findet.

Hervorheben lässt sich die durchweg hohe Qualität von Grafik und Gestaltung. Hier sind namhafte Illustrator:innen am Werk, die die Bilderbücher auch ästhetisch zu einem großen Vergnügen machen.

Fach-Verlage mit Kinderbuch-Reihen

Hier werden einige dieser Verlage und ihre Neuerscheinungen in 2020 vorgestellt.

Ich will mein Leben zurück! Selbsthilfe für Angehörige von Suchtkranken

Autor: Jens Flassbeck

Verlag: Fachratgeber Klett-Cotta, 159 Seiten

Befreiung von der Sucht des anderen

Das Leiden an der Sucht eines nahestehenden Menschen kann krank und depressiv machen. Das Buch des erfahrenen Suchtexperten Jens Flassbeck hilft dabei, die eigene co-abhängige Verstrickung zu erkennen und sich aus ihr zu lösen.
»Insgesamt bietet das Buch eine hilfreiche Unterstützung für Angehörige von Suchtkranken und regt durch Übungen und Fragen zur Selbstreflexion an.«
Denise Suhner, Punktum. Schweizerischer Berufsverband für Angewandte Psychologie, März 2015

Nahe Angehörige eines Suchtkranken erleben Tag für Tag eine Achterbahn der Gefühle: Scham, Ohnmacht, Wut und Enttäuschung, aber zugleich auch immer Sorge um den süchtigen Partner oder Elternteil und Hoffnung auf eine Wendung. Doch die Erschöpfung im Dienste des Süchtigen ist in aller Regel vergebens. Das Buch hilft betroffenen Angehörigen, zu einer gesunden Distanz und wieder zu sich selbst zu finden.
- Mit Informationen zur Dynamik der Abhängigkeit
- Klärung: Wie und wann entsteht Co-Abhängigkeit
- Selbsttest: Wie verstrickt bin ich?
- Wege aus der Co-Abhängigkeit: sich selbst schützen, abgrenzen lernen und das eigene Leben neu entdecken.

Die zahlreichen Betroffenen sind auf Selbsthilfe angewiesen: ihre Problematik ist im System der Suchthilfe nicht ausreichend berücksichtigt. Der Autor ist Suchtexperte und als solidarischer Unterstützer von Angehörigen bekannt.

Für:
- Alle, die mit einem süchtigen Partner leben
- Angehörige und Freunde von Suchtkranken
- Erwachsene Kinder aus Suchtfamilien
- In der Betreuung von Suchtkranken Tätige

Quelle: www.klett-cotta.de/buch/Fachratgeber/Ich_will_mein_Leben_zurueck!/49096

Nicht gesellschaftsfähig Alltag mit psychischen Belastungen

Herausgeber:innen: Sandra Strauß und Schwarwel

Erhältlich im Glücklicher Shop: www.gluecklicher-montag-shop.de

In „Nicht gesellschaftsfähig – Alltag mit psychischen Belastungen“ widmen sich mehr als hundert Autor:innen, Interview-Partner:innen, Comiczeichner:innen und Cartoonist:innen auf 612 Seiten in 23 Kapiteln dem Thema psychische Belastungen.

Es ist ein Buch im Almanach-Magazin-Style, das mit vielen Stimmen spricht und psychische Belastungen sowohl stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken und zur Enttabuisierung sowie Entstigmatisierung beitragen möchte als auch für Betroffene, Freund:innen, Familie, Angehörige, Bekannte, Verwandte und Arbeitgeber*innen eine Hilfestellung bietet.

Zu Wort kommen viele unterschiedliche Menschen, Betroffene, Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen, Vereine/Verbände/Stiftungen, Journalist:innen, Fachleute, Angehörige sowie Künstler:innen, Musiker:innen, Illustrator:innen, Cartoonisten und Comiczeichner:innen.

Quelle: gluecklicher-montag.de/nichtgesellschaftsfaehig/

Wie Mamas Welt wieder farbig wurde Auftragsprojekt Claudia Gliemann: Bilderbuch der Stadt Dortmund zum Thema „Postpartale Depression“ für Dortmund und andere Kommunen

Seit 2017 darf ich nun schon mit „Papas Seele hat Schnupfen“ auf Lesereise sein. Bei meinen Reisen habe ich immer wieder gesehen, wieviele unglaublich tolle Projekte es für Familien gibt, wieviele engagierte Menschen, die mit ganzem Herzen bei diesen Kindern und Familien sind und die ich kennen lernen durfte, und dass es auf der anderen Seite aber immer noch viele Familien gibt, die nicht wissen, wo sie Hilfe finden können bzw. die bestehenden Hilfsangebote nicht annehmen. Lange habe ich gemeinsam mit anderen überlegt, wie man diese Kluft schließen könnte. Es gab diverse Möglichkeiten und schließlich konnte ich zusammen mit der Stadt Dortmund eine Variante umsetzen, die wir alle sehr gut fanden: Ein Bilderbuch  Wie könnte es auch anders sein …

In den letzten zwei Jahren durfte ich nun zusammen mit Mitarbeiterinnen der Stadt Dortmund und der Dortmunder Künstlerin Ulla Schönhense ein neues Buchprojekt umsetzen, in dem es um postpartale Depression geht und das exemplarisch am Beispiel einer Familie aus Dortmund den Weg zur Hilfe zeigt und die entsprechenden Einrichtungen der Stadt erklärt, die entsprechenden Ansprechpartner nennt und das von der Stadt Dortmund kostenlos an entsprechende Stellen verteilt wird.

Von Anfang an wollten wir, dass es nicht nur ein Projekt der Stadt Dortmund ist, sondern dass die Datei auch anderen Kommunen zur Verfügung gestellt werden kann, was tatsächlich der Fall ist. So kann in relativ kurzer Zeit ein Wegweiser zur Hilfe in der jeweiligen Regionen entwickelt und zur Verfügung gestellt werden. Es ist quasi ein Baukastensystem, bei dem die Hilfen aus Dortmund durch eigene ersetzt werden dürfen.

Ich finde diesen Ansatz sehr gut, weil wir etwas entwickeln wollten, das einerseits in ganz Deutschland eingesetzt werden kann und trotzdem passgenau für die jeweilige Kommune ist. Das Buch ist unser Vorschlag dafür.

Eure/Ihre Claudia Gliemann

Quelle Text und Bild: www.monterosa-verlag.de/wie-mamas-welt-wieder-farbig-wurde/


Burnout Ein Comic-Tagebuch

Autorin: Maaike Hartjes

Verlag: Patmos, 240 Seiten, 26 Euro

Von einem Tag auf den anderen ging nichts mehr bei Maaike Hartjes. Die erfolgreiche niederländische Illustratorin, Comiczeichnerin und Live-Cartoonistin kann sich nicht mehr konzentrieren, bekommt Heulkrämpfe und schließlich eine Panikattacke. Einen Auftrag muss sie absagen. Nach einer zweiwöchigen Auszeit geht es ihr etwas besser, doch das hält nicht lange an. Es folgt eine emotionale Achterbahn: Mal Auftrieb und Zuversicht, öfter aber Lethargie und Verzweiflung.

Anfangs begreift sie gar nicht, was mit ihr los ist. Erst langsam wird ihr klar, dass sie seit Jahren überzogen hat: Auftrag reihte sich an Auftrag, sie hatte kaum noch Zeit für sich und ihre Freunde, dazu die typische Angst von Selbstständigen, die Auftragslage könnte sich verschlechtern. Doch es war nicht nur die Arbeit, die sie stresste, es war auch ihr hoher Anspruch an sich selbst und die Angst zu versagen. „Jeder Auftrag musste perfekt erledigt werden, gut genug – das gab es nicht.“

Nach wochenlangem Nichtstun beginnt sie wieder zu zeichnen: „Ich zwang mich, etwas Kreatives zu tun und Tagebuch zu führen.“ Eine Art Selbsttherapie, in der sie sich Schritt für Schritt mit ihrem Burnout auseinandersetzt. Jeden Tag zeichnet und schreibt sie, wie es ihr geht und was sie gemacht hat. „Ich gehe es langsam an“, liest man da. „Ich habe es nicht eilig gesund zu werden.“ Sie räumt auf und wirft weg, was nicht wichtig ist – ein Klärungsprozess auch für ihren Kopf. Es bleibt aber ein Auf und Ab. Von „Lalala, ich kann wieder arbeiten“ bis zu „HGREH, Uch, Schnief, Keuch – wo sind die Taschentücher?“ ist es manchmal nur ein kurzer Schritt.  

Das Burnout-Tagebuch ist ein einzigartiges Dokument aus Illustrationen, Kollagen, Papierschnipseln, Zugtickets, Eintrittskarten, Stadtplänen und jede Menge kleiner Maaikes mit Kommentaren zu ihrer jeweiligen Befindlichkeit. Sie staunt über die verständnisvollen Reaktionen von Familie und FreundInnen, ihrer Agentin und ihren Kunden, die sie allesamt darin bestärken, sich Zeit zu lassen für ihre Gesundung. „Die Welt ist nicht untergegangen, das war eine sehr schöne Erfahrung.“

Besondere Unterstützung erfährt sie durch ihren langjährigen Freund Mark, ebenfalls Comiczeichner, aber mit einem besseren Nervenkostüm ausgestattet. Er kümmert sich intensiv um sie und gibt ihr den nötigen Halt. Maaike kann ihre Kräfte besser einschätzen und mit Stress besser umgehen. Irgendwann klappt sie das Tagebuch zu – und wir dürfen es – dank des Verlags – mit Gewinn lesen und betrachten.

Danke Maaike Hartjes, für dieses ungewöhnliche, mutige und berührende Buch über Burnout. Es ist großartig!

PS: Übrigens auch für therapeutisch und supervisorisch Tätige eine Inspiration.  

Rezension von Ute Hüper

Verhaltenssüchte erfolgreich behandeln Ein schematherapeutisches Praxisbuch

Autorinnen: Julia Arnhold, Hannah Hoppe

Verlag: Junfermann

Erscheint am 18.12.2020

Wenn Alltägliches zur Sucht wird

In diesem Fachbuch wird ein neuer schematherapeutischer Ansatz für die Behandlung von Menschen mit Verhaltenssüchten vorgestellt. Er vermittelt Therapeut*innen zahlreiche Strategien, um nachhaltige Änderungen zu erzielen und die dabei auftretenden Herausforderungen zu meistern.

Wie kann die Verhaltenssucht in das Modus-Modell eingeordnet werden und welche konkreten Interventionen leiten sich daraus ab? Wie sollte die begrenzte Nachbeelterung für die relevanten Kind-Modi aussehen? Wie kann kontrollierter Umgang mit dem kritischen Verhalten erreicht werden? Wie können Therapeut*innen mit Ambivalenz, mangelnder Adhärenz oder eigenen Gefühlen von Frustration umgehen? Was hilft den Patient*innen dabei, Rückfälle zu vermeiden? Auf diese und ähnliche Fragen gibt dieses Buch praxisorientierte und innovative Antworten. Beispiele, Arbeitsmaterialien zum Download sowie Leitfäden für Imaginationen und Stühledialoge unterstützen Therapeut*innen dabei, Symptome ihrer Patient*innen zu reduzieren und zugrunde liegende Probleme aufzulösen.

Abgestimmt auf dieses Fachbuch liegt für Betroffene zudem der Ratgeber „Ausstieg aus Verhaltenssüchten: Wie Schematherapie helfen kann“ vor – für eine erfolgreiche Überwindung der Sucht.

Panikattacken und andere Angststörungen loswerden Wie die Hirnforschung hilft, Angst und Panik für immer zu besiegen

Autor: Klaus Bernhardt

In dem Buch werden die Ursachen für Panikattacken ausführlich und verständlich erklärt. Es wird erläutert, warum unsere Psyche in der Form reagiert.

Mit praktischen Übungen hilft das Buch aus dem „Negativ-Strudel“ zu kommen und wieder positiv zu denken. Es werden Notfall-Techniken erklärt, die dem Betroffenen eine Grundsicherheit vermitteln.

Das Buch ist durchweg interessant geschrieben und auch für den Laien absolut verständlich.

Ich konnte mich während des Lesens förmlich selbst sehen. Die ausführlichen und verständlichen Erklärungen geben Sicherheit und helfen, die momentane Situation nicht zu dramatisch zu sehen und sich weiter in diese hineinzusteigern.

Wichtigste Erkenntnis nach dem Lesen des Buches war für mich, dass  wir verlernt haben, auf unser Bauchgefühl zu hören. Das kann ich meinerseits absolut bestätigen.

Das Buch hat mich immer motiviert weiterzumachen, auch wenn ich mir anfangs nicht vorstellen konnte, dass die einfachen praktischen Übungen auch wirklich helfen. Aber tatsächlich helfen diese. Es werden im Gehirn tatsächlich Prozesse ausgelöst, die recht schnell eine grundlegende Sicherheit geben.

Dieses Buch ist neben einer ärztlichen Betreuung absolut empfehlenswert, um wieder Mut zu fassen und dem Negativ-Strudel zu entfliehen.   

Rezension von Birgit Schäfer

Psyche? hat doch jeder! Vom Hin und Her zwischen Herz und Hirn – Wie man Depressionen besser erkennt

Autorin: Lena Kuhlman

Erschienen 2018

Das Buch beschreibt in vier Kapiteln auf 230 Seiten die Grundlagen der Krankheitslehre, die verschiedenen Aspekte bei der Suche nach einem passenden behandelnden Experten, den Umgang der Erkrankten und der Umgebung mit der Krankheit, die Seite des behandelnden Experten und verschiedene Aspekte zur Gesunderhaltung der Psyche.

Die Autorin schreibt in leichtverständlicher, unterhaltsamer Sprache und scheut an der einen oder anderen Stelle vor einem humorvollen Blick auf die Materie nicht zurück. Sie ruft im Verlauf immer wieder dazu auf, selbstverständlicher und unbeschwerter mit dem Themenkomplex umzugehen und es gelingt ihr, dies mit ihrem jugendlich leichten Schreibstil zu unterlegen.

Neben dem Bericht zum Stand der Dinge im therapeutischen Business lässt sie den Leser teilhaben an Erkenntnissen zu ihrer eigenen Psyche, zu denen sie als Mensch und als Expertin gelangt ist. Dabei wird das therapeutische Gelände überflogen, ohne in die Tiefe zu gehen. Ihr Überflug lässt keinen Aspekt vermissen aber bringt wenig Neues für Menschen, die mit dem Thema vertraut sind. Es ist ein Buch, das sich eher an „Anfänger“ auf dem Terrain wendet. Auch Fortgeschrittene können jedoch vom Buch profitieren, da die Quellenangaben akribisch aufgelistet sind und außerdem eine Reihe von Büchern empfohlen werden, die spezielle Aspekte vertiefen können.

Insgesamt ein lesenswertes, sympathisch geschriebenes Buch geschrieben von einer Autorin, die aus der Praxis kommt.

Rezension von: Matthias Lahr, Systemische Beratung und Therapie

Angstphase

Autorin: Antonia Wille

Antonia Wille leidet seit ihrem elften Lebensjahr an einer Angststörung. In einer ersten Therapie konfrontiert sie sich mit ihren Ängsten und gewinnt so zunächst ein erstes Stück Eigenständigkeit zurück. Doch die Angst kommt wieder. Langsam lernt sie, dass sie der Angst auch zuhören muss, damit sie versteht, wieso sie da ist. Sie gibt ihrer Angst einen Namen und spricht mit ihr. Antonia meint, sie ist durch die Erfahrung mit der Angst auch gewachsen, empathischer und reflektierter geworden. Schließlich geht sie an die Öffentlichkeit und outet sich als Angsterkrankte. Offen, ehrlich und humorvoll teilt die Journalistin und Bloggerin ihre Erfahrungen, gibt wertvolle Tipps und spendet entlastende Worte für andere Betroffene. Das Buch ist kurzweilig geschrieben und eignet sich auch für Angehörigeund Freunde von Angsterkrankten, die „ihre“ Betroffenen besser verstehen möchten. Es ist uneingeschränkt empfehlenswert.

Das Buch ist im Piper-Verlag erschienen (ISBN-13: 9783492061612) und kostet 16 Euro.
Link zum Piper-Verlag: https://www.piper.de/buecher/angstphase-isbn-978-3-492-06161-2

Quelle der Rezension: http://www.bastagegenstigma.de/newsblog/

Als ich aus der Zeit fiel Mein Weg durch die paranoide Schizophrenie

Autor: Jens Jüttner

Verlag: pinguletta Verlag, Keltern, 138 Seiten, 13,90 Euro

Mit 27 Jahren erkrankt Jens Jüttner an Schizophrenie, genauer: an paranoider Schizophrenie, sie wird ihn bis zu seinem 38. Lebensjahr „fest im Griff haben“, wie er im Vorwort seines Buches schreibt. Ihm geht es vor allem um seine „persönlichen Erfahrungen zu Beginn der Erkrankung, mit dem Leben während der Erkrankung und dem Weg, auf dem ich aus ihr herausgefunden habe.“

Detailliert, kenntnisreich und selbstreflektiert setzt sich Jüttner mit der Krankheit auseinander. Beeindruckend ist, wie genau er wiedergibt, was er in den einzelnen Phasen der Erkrankung erlebt, gefühlt und gedacht hat. Aber auch, welches Sachwissen er sich über die Krankheit angeeignet hat und dieses geschickt – kontrastierend zu seinen eigenen Erfahrungen – in sein Buch einbaut. Sachlich und informativ schreibt er über die Diagnose, mögliche Ursachen und Auslöser, über Positiv- und Negativsymptomatik, Therapieansätze, Medikamentierungen und deren Nebenwirkungen.  

Jens Jüttner verzeichnet erste Anzeichen der Krankheit in der Zeit, als er sich auf sein erstes juristisches Staatsexamen an der Universität vorbereitet. Es sind Wahrnehmungsverschiebungen, die er anfangs aber nicht ungewöhnlich oder unangenehm findet und die im vertrauten Umfeld nicht auftreten. Später verfestigen sich die Wahnideen und er beginnt, Stimmen zu hören. Seine damalige Freundin und die Eltern machen sich immer mehr Sorgen, irgendwann empfehlen sie ihm, zu einem Psychiater zu gehen. Dort erhält er die Diagnose Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis und bekommt ein Neuroleptikum, das schnell wirkt und ihn auf den Boden der Realität zurück holt. Trotzdem begibt er sich erst in eine Tagesklinik, danach in eine monatelange stationäre Behandlung. In den folgenden Jahren sind immer wieder Aufenthalte in der Klinik notwendig, die er eindeutig als entlastend und hilfreich in Erinnerung hat. Ausführlich beschreibt er seine Erfahrungen mit Medikamenten bzw. der aufwändigen Suche nach der optimalen Medikation und einem Psychiater, der diese Suche mitträgt und ihn umfassend unterstützt. Sein Rat: als Patient zum »Experten« der eigenen Krankheit werden, Psychoedukation nutzen, bei der allgemein über die Krankheit aufgeklärt wird, und Fragen stellen.  

Das Krankheitsgeschehen überfordert sowohl ihn als auch die Familie. Seine Ehe zerbricht und auch seine Eltern verzweifeln. Jüttner ist nicht mehr arbeitsfähig als Anwalt und beantragt Frührente. Die richtige Entscheidung, wie sich zeigt. Es ist spannend zu lesen, mit welchen Strategien bzw. Selbsttherapien er es schafft, wieder im Leben Fuß zu fassen. Auch die Beziehung zu seiner Frau und zu seinem Sohn entspannt sich zu einem freundschaftlichen und respektvollen Verhältnis. Und dann findet sich auch noch ein Job, der ihm Spaß macht. Was für ein „Happy End“! Und wie gut, dass Jens Jüttner den Mut gefunden hat, offen über seine Krankheit zu sprechen und zu schreiben. Das ist ein Glücksfall für andere Betroffene, für Angehörige und nicht zuletzt für Profis, die hier eine Menge lernen können.

Rezension von Ute Hüper

Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein

Autor: Benjamin Maack

Verlag: suhrkamp nova, 334 Seiten, 18 Euro

Auf Seite 57 kommt die Warnung: „Hier wird am Ende übrigens nicht alles gut. Das hier ist ja nicht mal eine Geschichte. Wenn Sie Geschichten mögen, dann legen Sie das Buch lieber weg. Ich nehme Ihnen das nicht übel. Legen Sie es weg, und schreiben Sie eine wütende Amazon-Kritik, retten Sie die Welt vor diesem Machwerk.“

Benjamin Maack, Autor dieses „Machwerks“, Redakteur beim Spiegel und Autor ausgezeichneter Bücher, „warnt“ vor seinem eigenen Buch. Zu Recht? Vielleicht. Weil: Suizidgedanken spielen eine zentrale Rolle in diesen tagebuchartigen Aufzeichnungen über seine Depression. Die Sorge, dass sich andere depressive Menschen davon beeinflussen lassen, sich umzubringen, trieb ihn schon um. Vor der Veröffentlichung vergewissert er sich deshalb bei einem Suizid-Experten. Der fand es „gut und richtig, dass darüber geschrieben und gesprochen würde. Wichtig sei, dass man dabei nichts beschönige oder heroisiere.“ Diesen Rat hat Maack mehr als beherzigt. Die Schilderungen seines Erlebens, seiner Gedanken (insbesondere den suizidalen) und seiner Verzweiflung angesichts dieser aussichtslosen Situation sind herzerweichend. Man leidet mit diesem Mann, der sich, als er in der Psychiatrie aufgenommen wird, fragt: „Bin ich jetzt ein Leben müde?“ Man erfährt, welch ungeheure Kraft er zuvor aufbringen musste, um seinen Beruf auszuüben und seinen zwei kleinen Söhnen ein guter Vater zu sein. Für seine Frau reicht die Kraft nicht mehr und man versteht plötzlich gut, wenn sich Angehörige entscheiden, sich aus solch einer Beziehung zu lösen. Seine Frau hat Geduld und bleibt bei ihm. Auch wenn man wenig über Partnerschaft und Familie erfährt, ahnt man doch, dass sie ein wichtiger Grund für den Überlebenswillen des Autors sind.

Ja, dieses Buch ist keine Geschichte, es gibt auch nicht den Versuch, Erklärungen für mögliche Ursachen zu finden, keine Anklagen an niemand. Es sind Notizen über ein Krankheitsgeschehen, die „in der schlimmen Zeit ein wenig Halt gaben“, schreibt Maack im Nachwort. Und um sie irgendwann „einmal mit anderen zu teilen.“ Angehörigen und dem Umfeld Depressionen wirklich verständlich zu machen ist schwer.  Maacks Beschreibungen lassen den Schrecken dieser Erkrankung sehr gut nachvollziehen. Das Buch kann auch hilfreich für Betroffene sein, weil er ihnen „aus der Seele“ schreibt.
Und im letzten Kapitel scheint doch ein Licht am Ende des Tunnels auf, so was wie eine Versöhnung mit seinem Schicksal und neue Freude am Leben. Es ist noch immer nicht alles gut, aber es geht wieder vieles.  

Rezension von Ute Hüper

Umgang mit bipolaren Patienten

Autoren: Larissa Wolkenstein und Martin Hautzinger

erschienen 2014 im Psychiatrie Verlag, 140 Seiten im Taschenbuchformat.

Das Buch richtet sich an ausgebildete Fachkräfte, professionelle Helfer und Personen, die durch ihr soziales Engagement mit Menschen zu tun haben, die an einer bipolaren Störung erkrankt sind.

Auf 140 Seiten vermitteln die Autoren dem Leser zuerst ein gutes Basiswissen über die Krankheit. Im weiteren Verlauf des Buches wird die Vielschichtigkeit und die schwierige Diagnostizierung der bipolaren Störung erörtert. Anschließend wird detailliert auf den Umgang mit den Patienten eingegangen. Im letzten Teil des Buches findet man die Problematik der Sorgen und Ängste von Angehörigen. Auch das Thema Stigmatisierung wird angesprochen.

Die Zielgruppe der Leser wird auf jeden Fall nicht zuletzt durch den fachlich geprägten Stil angesprochen. Die Kapitel sind gut strukturiert, die Abfolge ist logisch aufgebaut und es ist verständlich geschrieben. Besonders hervorzuheben sind die zahlreichen Fallbeispiele aus der Praxis, die dem Leser immer wieder die Situation aus Sicht der Erkrankten vor Augen hält.

Mein Fazit: Das Buch vermittelt einen sehr guten Gesamteindruck des Krankheitsbildes „Bipolare Störung“ mit all seinen Facetten und den Umgang mit den Erkrankten. Für den Laien ist diese Lektüre eher ungeeignet, weil die Ausführungen zu sehr ins Detail gehen. Empfehlen kann ich dieses Buch auch bipolaren Patienten mit langjähriger Erfahrung im Umgang mit ihrer Krankheit und verschiedenen Therapievarianten.

Rezension von Gert Griesbaum

Im Gefühlsdschungel Emotionale Krisen verstehen und bewältigen. Mit Online-Material

Autor: Harrlich H. Stavemann

Dieses Buch bietet eine Einführung in die Bedeutung von Gefühlen und Emotionen, die durch individuelle  Bewertungen den Sinn und die persönliche Bedeutung erhalten.

Mit Hilfe von vielen - illustren und typischen - Beispielen werden das ABC-Modell (Ausgangssituation – Bewertung – K/Consequenzen) und deren Bedeutung für das Verständnis und den Sinn von Ängsten, Depressionen und anderen belastenden Gefühlen vorgestellt. Es werden typische „Denkfallen“ beschrieben, die meist zu Fehlinterpretationen und ungünstigem, dysfunktionalem Verhalten führen. Daraus abgeleitet werden Veränderungsprozesse aufgezeigt, die durch eine kognitive Verhaltenstherapie eingeleitet werden.

Stil: das Buch ist klar und logisch aufgebaut. Durch viele Beispiele werden „Denkmuster“ und „Denkfallen“ verdeutlicht und deren Bedeutung für problematische Gefühle  ersichtlich.

Bewertung: eine sachlich gute Einführung in die Cognitive Verhaltens-therapie, welche deren Stil und Methoden anschaulich und verständlich beschreibt.

Verfasser der Rezension: Verhaltenstherapeut

Ein gutes Leben und andere Probleme Ein Ratgeber von Psychiatrie-Erfahrenen für Psychiatrie-Erfahrene

Herausgeberinnen: Svenja Bunt, Sibylle Prins

Verlag: BALANCE buch+medien Verlag

Erschienen 2018

Ein Ratgeber, geschrieben von Psychiatrie-Erfahrenen für Psychiatrie-Erfahrene, der nahezu alle lebenspraktischen Situationen thematisiert, in denen sich der Psychiatrie-Erfahrene mit seiner Erkrankung konfrontiert sieht. Dabei geht es um die Gestaltung eines lebenswerten Alltages in guten wie in schlechten Zeiten: mit sich selbst, in der Wohnung, in Beziehungen, mit bzw. ohne Arbeit, bei Rückfällen.

Der Stil ist lebensecht und holt somit den Betroffenen dort ab, wo er sich befindet. Dies setzt voraus, dass sich differenziert und meines Erachtens sachlich lesen lässt, in welchen alltäglichen Bereichen Druck entstehen kann.

Wertvolle Tipps finden sich überall, auch sind lebensnahe Berichte der Autoren und anderer Betroffener abschnittsweise in den Text eingeflochten. Die regelmäßigen Anmerkungen der Autoren vermitteln das Gefühl, als befände man sich im steten Dialog mit ihnen.

Ein sehr lesenswertes Buch!

Rezension von Carolin N.

 

Kurzbeschreibung: Die gute Botschaft gleich zu Beginn: Dieses Buch zeigt, dass man auch mit psychischen Problemen ein gutes Leben haben kann. Die beiden Herausgeberinnen Svenja Bunt und Sibylle Prins sind durchaus ein Garant dafür: Beide haben sie Erfahrung mit der Psychiatrie, beide führen trotzdem ein erfülltes Leben. Trotz mancher Probleme, die immer wieder auftauchen und die es zu bewältigen gilt. Am schwierigsten ist wohl der Umgang mit begrabenen Lebensträumen, aber wenn man dazu eine akzeptierende Haltung einnimmt und gut für sich sorgt, tun sich oft unerwartet Türen auf, so ihre Erfahrung.
Svenja Bunt und Sibylle Prins gehen auf viele »Stolpersteine« ein, die den Weg zum guten Leben beschwerlich machen: Wie gehe ich mit Stress um, wie komme ich mit dem wenigen Geld aus, wie finde ich eine erfüllende Tätigkeit und wie gestalte ich soziale Beziehungen. Es gibt dazu Beispiele von anderen Erfahrenen und ihre eigenen. Wobei die Autorinnen – natürlich – nicht immer einer Meinung sind, dafür sind ihre persönlichen Erfahrungen zu unterschiedlich. Und was der einen gut getan hat, muss für die andere noch lange nicht gelten. Das kommt nicht nur sympathisch rüber, sondern verdeutlicht, dass es eine Fülle von Möglichkeiten gibt, etwas Passendes für sich zu finden. Vor allem, so ihre Botschaft, sollte man nicht aufgeben.
Ein richtig tolles Mutmach-Buch und eine konkrete Lebenshilfe (nicht nur) für Psychiatrieerfahrene.

Rezension von Ute Hüper

ISBN: 978-3-86739-139-9, 160 Seiten, 17,00 Euro

https://www.balance-verlag.de/buecher/detail/book-detail/ein-gutes-leben-und-andere-probleme.html

Widerstand zwecklos Wie unser Leben leichter wird, wenn wir es annehmen, wie es ist

Autor: Andreas Knuf

Verlag: Kösel Verlag, München 2018, 189 Seiten, 16,00 €

Das Buch von Andreas Knuf ist mir durch seine Aufmachung und Botschaft positiv zwischen den vielen Ratgebern zur Selbstoptimierung aufgefallen. In diesem Buch geht es nicht darum, ungenutzte Potenziale auszuschöpfen und die »beste Version« seiner selbst zu erschaffen, sondern das Leben mit all seinen Widrigkeiten anzunehmen, wie es ist, und sich selbst und andere anzuerkennen. Diese Haltung ist erfrischend. Wir müssen nicht nach Perfektion streben, um zufriedener zu werden, sondern vielmehr lernen, Dinge zu akzeptieren. Das klingt banal, beim Lesen des Buches wird aber deutlich: Einfach ist das nicht.

Schicksalsschläge, Ärgernisse und Ungerechtigkeiten gehören genauso wie freudige Ereignisse und Entwicklungen zum Leben dazu. Sie lösen jedoch unangenehme Gefühle aus, gegen die wir uns instinktiv »wehren« – wir kämpfen gegen sie an oder versuchen, sie zu verdrängen. Wenn wir es schaffen, zu allem Ja zu sagen, was uns das Leben bereithält – sei es angenehm oder unangenehm –, können wir zu innerer Ruhe und Zufriedenheit finden. Annahme bedeutet nicht, dass wir eine Situation gut finden müssen, sondern, dass sie so sein darf, wie sie ist. Das leuchtet ein: Aber wie können wir »widerstandsloser« werden und Akzeptanz kultivieren?

Um eins vorwegzunehmen: Akzeptanz kann nicht durch bestimmte Techniken eingeübt werden. Es ist ein innerer und intensiver Prozess, der sich auch nicht durch die Lektüre des Buches einstellt. Was das Buch aber tut, ist, seine Leserinnen und Leser dazu einzuladen, die eigene Einstellung Widerständen gegenüber zu überdenken und sich so den Geschenken des Lebens zu öffnen.

Nah an seinen Leserinnen und Lesern wählt der Autor Beispiele aus dem Leben und Biografien, mit denen ich mich gut identifizieren konnte. Und diese machen die Lektüre auch so spannend. Der Weg zu einer annehmenden Haltung ist von Person zu Person unterschiedlich, genauso wie die Herausforderungen, die das Leben an einen stellt, verschieden sind. Jeder muss selbst zu dieser inneren Haltung finden. Annahme bedeutet dabei nicht, passiv in einer Situation zu verharren, sondern kann neue Wege öffnen. Meditation und Achtsamkeit können auf dieser Reise unterstützen, nehmen im Buch aber nicht zu viel Raum ein.

Hervorheben möchte ich an dieser Stelle noch die einfach zugänglichen Übungen und »Pausezeichen«, die zu einer Unterbrechung der Lektüre einladen und die Inhalte in gute »Häppchen« aufteilen. So hat mich das Buch in erster Linie inspiriert, das Leben auf andere Weise zu sehen. Ich wünsche dem Buch, dass es noch viele für sich entdecken.

Katrin Klünter in Psychosoziale Umschau

(Quelle: www.psychiatrie.de/buecher/alltagshilfen/knuf-widerstand-zwecklos.html)

Übersehene Geschwister Das Leben als Bruder oder Schwester psychisch Erkrankter

Autorin: Jana Hauschild

Verlag: Beltz, 232 Seiten, 17,95 Euro

Sichtbar machen – das ist die Botschaft dieses Buches. Es geht um Millionen Geschwister psychisch Erkrankter, die immer noch unsichtbar sind – in der psychologischen und psychiatrischen Versorgung, in Angehörigengruppen, in der Öffentlichkeit. Und auch in der Familie. Sie werden zu Schattenkindern, nehmen intuitiv einen Platz im Hintergrund ein, um die Eltern nicht noch mehr zu belasten, schreibt Jana Hauschild, Psychologin, freie Journalistin und Autorin des Buches. Und Schwester von Sven, der an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leidet. In ihrem Buch schildert sie die vielfältigen Gefühlsturbulenzen, Beziehungsprobleme und Konflikte, die Geschwister erleben. Unabhängig von den jeweiligen Diagnosen. Ebenso wie die Erkrankten wirft eine psychische Erkrankung auch die Schwestern und Brüder aus der eingeschlagenen Bahn. Dies zeigen eindrücklich die vielen Gespräche, die sie mit zahlreichen Geschwistern geführt hat: »Auch wir haben ein Päckchen zu tragen. Manche ein größeres, manche eines, das mal schwerer, mal leichter wiegt. Manche schleifen es mit einiger Entfernung hinter sich her, andere halten es fest an sich gedrückt.«

Jana Hauschild hat ein kluges, einfühlsames und facettenreiches Buch geschrieben mit berührenden Geschichten. Sie selbst lässt uns, die Leserin, den Leser, an ihrem eigenen Erleben teilhaben; der Verzweiflung und der Angst um ihren geliebten Bruder, der ihren Lebensweg erkennbar beeinflusst hat. Den größten Raum nehmen aber die Selbstäußerungen der Interviewten ein, deren Erinnerungen und aktuellen Lebensumstände, die sie in eindringlichen Bildern porträtiert. Aus all den Geschichten erzeugt sie »ein großes Bild (…), kein vollendetes, aber eines, das deutlich macht: Hier sind Menschen, die sich mehr Rückhalt, mehr Aufmerksamkeit oder mehr Unterstützung wünschen – und diese mitunter dringend brauchen.«

Im letzten Kapitel »Hilfen für Geschwister« stellt sie professionelle Hilfe- sowie Selbsthilfe- Angebote vor, speziell das Geschwisternetzwerk. Sie ermutigt, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und gut für sich selbst zu sorgen. Aber auch, den Bruder oder die Schwester, trotz der Erkrankung, als Mensch mit Stärken, Bedürfnissen und Wünschen zu sehen, und die Hoffnung auf Besserung nicht zu verlieren.

Rezension von Ute Hüper


Bildquelle: www.beltz.de/sachbuch_ratgeber/buecher/produkt_produktdetails/36222-uebersehene_geschwister.html

ICH ist manchmal ein anderer Mein Leben mit Schizophrenie

Autor: Cordt Winkler

Verlag: Goldmann, 236 Seiten

Cordt Winkler war Anfang zwanzig, als die Diagnose sein Leben auf den Kopf stellte: paranoide Schizophrenie. Symptome, die er in frühen Kindertagen schon bei seinem Vater beobachtet hatte, entdeckte er nun plötzlich auch an sich selbst: Das unkontrollierbare Abgleiten von Denken und Wahrnehmung, Panikanfälle, Verfolgungswahn, Ohnmacht, freier Fall. Klinikaufenthalte. Ehrlich und mitreißend lakonisch schildert er die Dynamik der psychotischen Krise und führt den Leser tief hinein in seine, von außen betrachtet, phasenweise verrückte Innenwelt. Soweit der Klappentext.

Das Buch selbst beginnt mit einem Aufbruch: Umzug in die Großstadt, die erste eigene Wohnung, am nächsten Tag Antritt des Zivildienstes. Der Vater hilft beim Umzug. Doch dann will er die Wohnung nicht mehr verlassen, redet immer wirrer vor sich hin. Der junge Cordt verbringt die Nacht im Umzugswagen. Dort kommen die Erinnerungen hoch an den ersten Aufenthalt seines Vaters in der „Klapsmühle“, wie er die Psychiatrie nennt. Sein Vater hat Schizophrenie. Die Erlebnisse mit seinem Vater belasten ihn in den nächsten Jahren zunehmend, sodass er beginnt, sich intensiver mit der Krankheit zu beschäftigen. Er interessiert sich für Umstände und Zeitpunkt des Ausbruchs der Krankheit und die damit verursachten hohen volkswirtschaftlichen Kosten. Er berichtet über die enorme Stigmatisierung, die mit Schizophrenie verbunden ist, über verschiedene Behandlungsansätze, Situation der Angehörigen etc. Diese sachlich erzählte Einschübe tauchen an verschiedenen Stellen des Buches auf. Sie sind informativ und eine gute Ergänzung zu seinem eigenen Krankheitsbericht. Denn in der Zwischenzeit hat ihn die Diagnose des Vaters eingeholt: Während seiner Studienzeit erkrankt er ebenfalls an Schizophrenie und landet in der Psychiatrie.

Etliche weitere Psychiatrie-Aufenthalte folgen, seine „Tüdelüt“-Phasen, wie Cordt Winkler sie nennt. Mit allen Aufs und Abs, wie sie wohl die meisten Schizophreniebetroffenen kennen. Vor allem der Kampf mit den Medikamenten, die beträchtliche Nebenwirkungen haben, ist zermürbend. Die Absetzversuche enden jedes Mal in einem Rückfall, sodass irgendwann die Einsicht siegt, dass es ohne Medikamente nicht geht. Am Ende des Buches hat Cordt Winkler sich mit ihnen abgefunden, weil sie ihm helfen, mit der Krankheit zu leben. Gut sogar.
Ein wichtiger Faktor für die Gesundung war (und ist) wohl die zuverlässige Unterstützung, die er aus seiner Familie, seinem Freundeskreis, durch seinen Lebensgefährten und auch durch Arbeitskollegen bekommen hat. Denn zum Glück lässt der Autor uns auch an seinem sonstigen Leben teilhaben, jenseits der Krankheit, erzählt von Alltagsproblemen, Arbeit, lustigen Begebenheiten und kleinen Freuden. Alles ganz normal also. Das liest sich locker und stellenweise vergnüglich weg. Fazit: ein sehr empfehlenswertes Buch, nicht nur für Betroffene und Angehörige.

Rezension von Ute Hüper

Eine andere Art von Wahnsinn Vom langen Schweigen und Hoffen einer Familie

Autor: Stephen P. Hinshaw / übersetzt von Matthias Reiss

Verlag: Psychiatrie Verlag GmbH, Köln 2019, 346 Seiten, ISBN: 978-3-96605-033-3

Stephen P. Hinshaws Biographie „Eine andere Art von Wahnsinn“ ist der Versuch, die eigene familiäre Betroffenheit durch die psychische Erkrankung seines Vaters aufzuarbeiten. Vor dem Hintergrund und mit seinem Fachwissen als Psychologe zeigt der Autor seinen persönlichen Kampf mit der Stigmatisierung durch psychische Erkrankungen.

Formal geht er chronologisch und personenbezogen vor und entwickelt so seine Geschichte: Das familiäre Schweigen über die zeitweiligen Abwesenheiten des Vaters, der an einer bipolaren Störung leidet, führt in eine gesellschaftliche Isolation der Familie. Diese darf, auch auf Befehl der Ärzte, nicht aufgebrochen werden. Die daraus resultierenden Ahnungen und Ängste, die er durch einen ständigen Kontrollzwang in den Griff zu bekommen sucht, prägen sein Leben. Erst Gespräche mit dem Vater im Erwachsenenalter geben einen Blick auf dessen Leid frei, auch verursacht durch erschreckende medizinische Fehldiagnosen und menschenunwürdige Behandlungen. Aber sie machen auch die Leistung des Vaters und besonders die der Mutter deutlich, mit diesem Schicksal fertig zu werden. Diese Erkenntnisse unterstützen die bereits getroffene berufliche Entscheidung des Autors, sich als Psychologe auf die Suche nach neuen Erkenntnissen, Erklärungsmodellen und Behandlungsmethoden für Menschen mit psychischen Erkrankungen zu begeben.

Ganz wesentlich geht es ihm dabei um den „Abbau des Stigmas – dieser anderen Art des Wahnsinns“. So fordert er immer wieder einen humaneren Umgang mit betroffenen Menschen, ihr Recht auf Würde und Respekt in Begegnung und Behandlung und die Auflösung des stigmatisierenden Schweigens in gesellschaftlichen Dialog.

Die Biographie beeindruckt vor allem durch die Kombination von persönlicher Betroffenheit und fachlicher Kompetenz. Letztere gibt dem Autor überhaupt erst die Möglichkeit, sich der eigenen Situation zu stellen und selbst seelisch nicht wieder abzustürzen. Die Wiederholungen bestimmter Grundkonstellationen wirken manchmal etwas ermüdend, bieten anderen Betroffenen und ihrem Umfeld aber auch eine Vielfalt an Analyseansätzen für die eigene Situation und Auseinandersetzung mit Stigmatisierungserfahrungen.

Es bleibt der berührende Eindruck eines unglaublich menschlichen Leids und der eindringliche Appell an Medizin, Politik, Medien und Umwelt, psychisch kranke Menschen nicht zu stigmatisieren und ins „Grenzland der Menschenrechte“ abzuschieben.

Rezension von Gabriele Beeck

Grenzenlos emotional Von impulsiv bis Borderline

Autorin/Autor: Martine Hoffmann, Gilles Michaux

Verlag: BALANCE buch + medien verlag, Köln 2018, 192 Seiten

Nur Mut - es gibt nicht nur eine Wirklichkeit! Das signalisieren Martine Hoffmann und Gilles Michaux gleich zu Beginn allen Betroffenen, die unter einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung leiden und deren Wirklichkeit in weiten Zügen eine andere ist als die ihrer Umwelt. Und: viele der belastenden Verhaltensweisen wurden erlernt und können deshalb auch wieder verlernt werden.

Wissenschaftlich fundiert und sprachlich gut lesbar stellt das Autorenteam das Wechselspiel von biogenetischen Voraussetzungen, psychosozialen Faktoren und Umwelteinflüssen dar. Lernen wird als lebenslange Auseinandersetzung zwischen Selbst und Umwelt vorgestellt, deren Syntheseleistung in der Identitätsfindung des Einzelnen liegt. Das Ich sei „ein in Bewegung befindliches Wesen“, nicht auf Vergangenheit, sondern auf Zukunft gerichtet, und dazu gehöre elementar auch die Bedeutung von Sprache und Ausdrucksfähigkeit.

Vor diesem Hintergrund zeigen Hoffmann und Michaux Formen emotionaler Instabilität auf, wobei sie der Borderline-Persönlichkeitsstörung ihr besonderes Augenmerk widmen. Sie stellen die existentiellen Schwierigkeiten der Betroffenen im Umgang mit Emotionen dar und weisen u.a. nach, dass neben biogenetischen häufig psychosoziale Faktoren Gründe für diese Problematik sind: Wie z. B. fehlende oder mangelnde elterliche Fürsorge in Kindheit und Jugend als eine Erfahrung frühkindlicher Stresssituationen, die die Gefühlsentwicklung durcheinandergebracht haben. Die in unterschiedlichsten Situationen explosiven Gefühle der Betroffenen würden zu einer Erfahrung der eigenen Machtlosigkeit führen, da sie sie selbst nicht unter Kontrolle bekommen könnten – mangels Klarheit über Ursachen, Überforderung in akuten Situationen und Sprachlosigkeit. Die Probleme, die sich daraus für die Betroffenen ergäben, seien Erfahrungen innerer Leere, Depressionen, Ich-Fremdheit und das Gefühl der sozialen Ausgeschlossenheit. Sie würden häufig zu Selbstverletzungen und nicht selten zu suizidalen Gedanken und auch Handlungen führen.

Hoffmann und Michaux konstatieren, dass es nicht nur die eine normale Wirklichkeit gibt, sondern dass sich jedes menschliche Hirn – in Auseinandersetzung mit dem Selbst und der Umwelt – seine eigene Wirklichkeit baut, alle diese Wirklichkeiten ihre Berechtigung haben, sich also niemand grundsätzlich ausgegrenzt fühlen muss. Diese Wirklichkeiten benötigen aber zum Zusammenleben ihrer Träger eine Schnittmenge. Die gute Nachricht: Leben und Zusammenleben können neu »gebaut« und fehlerhaft Erlerntes wieder verlernt werden. An Fallbeispielen werden vielfältige Möglichkeiten aufgezeigt, wie das gelingen kann, von der kurzfristigen Strategie im akuten Notfall bis hin zu langfristigen Therapien. Wesentlich sei aber der intensive Einsatz aller Beteiligten.

Dieser Ratgeber sollte in die Hände der Betroffenen, ihrer Familien und ihres weiteren Umfelds kommen. Hilfreich ist er auch für schulische Beratungsteams oder andere beratende Institutionen, die professionelle Hilfestellung leisten wollen.

Rezension von Gabriele Beeck

Tagebuch einer Sehnsucht Wie ich meine Tochter an die Drogen verlor

Autorin: Ina Milert

Verlag: hansanord, 2019. 191 Seiten, 14,90 Euro.

Lea ist 18, als sie in den Tod springt. Da hat sie bereits eine mehrjährige Drogen»karriere« hinter sich. Nahm sie sich das Leben, weil sie keinen Ausweg mehr aus ihrer Drogensucht sah? 10 Jahre später verarbeitet Ina Milert, die Mutter von Lea, den Tod ihrer Tochter in einem Tagebuch. Sie versucht nachzuvollziehen, ab wann der schleichende Untergang begann und wie es dazu kam, dass ihre Tochter – bis zur siebten Klasse ein fröhliches, hübsches und fantasievolles Mädchen – sich veränderte und Drogen nahm. »Irgendwann hat sie sich geändert. Sie hat sich eher Freunde gesucht, die ihr unterlegen waren. Und hatte bald den falschen Freundeskreis und die Probleme begannen: Schule schwänzen, Stress zuhause, keine Hausaufgaben machen, klauen, Unterschriften fälschen. Heute würde ich sagen, das volle pubertäre Programm.«

Ina Milert schreibt aus ihren Erinnerungen heraus und stellt sich viele Fragen, voller Schuldgefühle, auch weil sie damals nicht begriffen hat, was Abhängigkeit mit Menschen macht. Sie ist wütend auf ihre Tochter und unterstellt ihr Mutwilligkeit und Willensschwäche. Heute, sagt sie, würde sie wohl anders reagieren. Ergänzt werden ihre eigenen Erinnerungen mit Fotos von Leas Tagebucheinträgen und Briefen. Schockierend zu lesen sind die Mails zwischen Lea und ihrem langjährigen Freund Tarek, mit dem sie gemeinsam konsumierte, und der sie regelmäßig halbtot prügelte. Vergeblich sind Inas Versuche, Leas Umgang zu beeinflussen.

Die letzten Jahre sind ein Auf und Ab: Raus aus den Drogen, Lea macht einen super Schulabschluss – und stürzt danach richtig ab. Sie beginnt Crack zu rauchen, nimmt Heroin. »Ich stand hilflos daneben, konnte sie längst nicht mehr erreichen. Es folgten einige Therapieversuche, die sie immer wieder abbrach, wenn sie den Suchtdruck nicht aushielt. Wie gern hätte ich sie einfach festgehalten, bis sie wieder klar ist, wieder mein Mädchen. Aber sie sah mich nicht mehr, klammerte sich an ihren neuen Freund. Mit ihm schaffte sie es, noch einmal von dem Stoff loszukommen.« Nur für kurze Zeit, dann springt sie von der Brücke.

Ina Milerts Schilderungen sind eindringlich und bewegend, voller Trauer und Schmerz. Ihre Hoffnung ist, dass Leas Schicksal dazu beitragen kann, dass Jugendlichen die Lust auf Drogenkonsum vergeht. Und dass Eltern und andere Betroffene einen Einblick erhalten. Im Anhang hat sie ausführliche Literaturempfehlungen zusammengestellt und ausgewählte Adressen, an die man sich wenden kann. Das Buch enthält außerdem das Nachwort eines Experten aus der Suchtforschung.

Rezension von Ute Hüper

Auf einer Skala von 1 bis 10 Ein Jugendbuch über eine Borderline-Erkrankung

Autorin: Ceylan Scott

Verlag: Carlsen Verlag, 222 Seiten, 15 Euro

Ceylan Scott, 1997 in London geboren, leidet seit der Pubertät unter psychischen Problemen, die später als Borderline-Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde. In ihrem ersten Roman »Auf einer Skala von 1 bis 10« verarbeitete sie ihre Erfahrungen in der Klinik. »Mit sechzehn habe ich mich entschieden, ein Buch zu schreiben. Ich wurde gerade in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, hatte zu viel Zeit und Tausend Dinge gingen mir im Kopf herum. Alles frustrierte mich: weit weg von zu Hause zu sein, das Stigma und das Missverständnis, was mir und anderen, die so waren wie ich, entgegengebracht wurde.«

Ihre Hauptfigur heißt Tamar, sitzt in Lime Grove, einer geschlossenen Jugendpsychiatrie, wo sie den ganzen Tag lang für sie sinnlose Fragen beantworten soll. Wie fühlst du dich, auf einer Skala von 1 bis 10? Du weißt schon, dass du dich nicht normal verhältst? Wann hat das mit dem Selbstverletzen angefangen? Was genau ist eigentlich passiert? Aber Tamar sagt nichts. Sie kann einfach nicht erzählen, was mit Iris geschehen ist. Iris ist tot und Tamar hält sich für ihre Mörderin und quält sich mit Selbstvorwürfen. Was tatsächlich passiert ist, erfährt man erst am Ende des Buches.

Einen ähnlichen Weg wie Tamar ist Ceylan Scott gegangen, bis zur Genesung, so hofft man für die Autorin, die mittlerweile Psychologie und Kriminologie studiert. Das Schreiben hat dazu beigetragen, es war »eine kathartische Erfahrung«. »Ich konnte meinen starken, intensiven Gefühlen endlich freien Lauf lassen, sie dann packen und ordnen. Ich glaube, das Resultat ist ein Buch, was sich echt anfühlt. ... Und ich hoffe sehr, dass es zumindest einen Funken Hoffnung schenkt, Stärke und Kraft gibt, für alle, die von der Dunkelheit gefangen gehalten werden.« Das Buch ist auf jeden Fall ein gelungenes Debut.

Rezension von Ute Hüper

Ausstieg aus Verhaltenssüchten Wie Schematherapie helfen kann

Autorinnen: Julia Arnhold, Hannah Hoppe

Verlag: Junfermann, 30.00 Euro

Wenn die Lust zur Sucht wird

Haben Sie das Gefühl, bestimmte Aktivitäten in ihrem Ausmaß nicht mehr kontrollieren zu können? Ist zum Beispiel Surfen im Internet, Glücksspiel, Sex, Sport, Einkaufen oder Arbeiten zu Ihrem Lebensmittelpunkt geworden? Kreisen Ihre Gedanken ständig darum, wann Sie diesem Verhalten wieder nachkommen werden?
Nicht nur Drogen, sondern auch Verhaltensweisen können süchtig machen. Und diese sogenannten Verhaltenssüchte gehen auf Dauer mit verheerenden gesundheitlichen und sozialen Schäden einher. Dieses Selbsthilfebuch ist zur selbstständigen Anwendung oder auch als Begleitung während einer Therapie geeignet. Auf Grundlage des schematherapeutischen Ansatzes und mithilfe von Reflexions- und Entspannungsübungen lernen Sie, Ihre wahren Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen. Sie erarbeiten sich Schritt für Schritt Strategien, mit den Herausforderungen des Lebens konstruktiv umzugehen, anstatt sie durch eine Flucht in die Verhaltenssucht zu kompensieren.

Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen Maeve Brennan. Eine Biographie

Autor: Michaela Karl

Verlag: Hoffmann und Campe, Hamburg 2019. 352 Seiten, 22 Euro.

Der Titel allein macht neugierig und lässt sofort ein Bild entstehen, wie diese Maeve Brennan gewesen sein könnte: Selbstbewusst, unkonventionell, wahrscheinlich ein bisschen gaga ... Nach der Lektüre des Buches weiß man: Genauso war sie, doch in allem noch viel extremer, dazu schön, begabt, erfolgreich und umschwärmt, eine schillernde Persönlichkeit auf dem schmalen Grat zwischen Glamour und Wahnsinn, wie es in dem Klappentext heißt.

Maeve Brennan, geboren 1917 in Irland als Tochter von irischen Unabhängigkeitskämpfern und Gründungsmitglieder der Partei Sinn Féin, lebte ab 1934 in Amerika. Ihr Vater wurde als irischer Diplomat nach Washington entsandt, wohl ein Glück für die junge Maeve. Schnell eroberte sie sich die neue Welt und wurde bald als Autorin von Kolumnen und Kurzgeschichten bekannt. Zuerst arbeitete Brennan als Werbetexterin für das damals revolutionäre Mode- und Gesellschaftsmagazin Harper’s Bazaar, dann für das progressive Magazin The New Yorker.

Dort wurde sie vor allem mit ihrer Kolumne der »langatmigen Lady« berühmt. Der New Yorker ist offenbar die richtige Umgebung für Maeve, er wurde schnell zur Ersatzfamilie. Die Redaktion ist zu der Zeit »eine Sammelstelle für Exzentriker, Alkoholiker, Depressive und Neurotiker.« ... »Für Außenstehende scheint es, als seien beim New Yorker mehr oder weniger alle verrückt.« Zumindest war er ein toleranter Ort, in dem man über alle Verrücktheiten hinwegsah, weil es geniale Menschen waren, die dort arbeiteten. Wie in einer Familie kümmerte man sich umeinander, selbst Rechnungen und überzogene Konten wurden wiederholt und stillschweigend beglichen.

Was auch Maeve Brennan häufig erlebte, weil sie erst durch eine Schreibblockade und später durch schwere psychische Krisen nicht mehr in der Lage war zu arbeiten. Die Symptome sprechen für eine Schizophrenie, eine Krankenakte gibt es laut Michaela Karl aber nicht. Fakt ist, dass sich Maeve Brennan anfangs freiwillig in eine psychiatrische Klinik begeben hat, um sich behandeln zu lassen. Sie bekam Medikamente und eine Therapie, die gut anschlugen. Doch ein Leben in Abhängigkeit von Tabletten war für sie unvorstellbar, immer wieder setzte sie die Tabletten ab, wenn es ihr besser ging. Ihre Lebensumstände wurden immer chaotischer, sie litt an Paranoia und Demenz. 1993 starb sie einsam in einem Pflegeheim.

Lange Zeit war diese ungewöhnliche Frau und Autorin in Vergessenheit geraten. Es ist zum einem dem Steidl-Verlag zu verdanken, dass sie wiederentdeckt wurde – er hat ihre Kurzgeschichten und New-York-Kolumnen übersetzt und in schönen Ausgaben veröffentlicht. Vor allem aber gilt der Dank der Autorin Michaela Karl, die sich dieser beeindruckenden Person und ihres Lebens angenommen hat und daraus dieses wunderbare Buch gemacht hat. Es ist ein »pointiert erzähltes, luftiges und durchlässiges Buch«, schreibt Katja Kullmann in der taz (www.taz.de/Biografie-ueber-Maeve-Brennan/!5582034/) – »eines, das nicht nur seinem Gegenstand, seiner Heldin voll gerecht wird, sondern eines, dessen Lektüre auch jenen Spaß machen dürfte, die noch nie von dieser Heldin gehört, geschweige denn, etwas von ihr gelesen haben.« Diesem Urteil kann sich die Rezensentin nur anschließen.   

Rezension von Ute Hüper

Unsichtbare Narben Erwachsene Kinder psychisch erkrankter Eltern berichten

Herausgeber/in: Johannes Jungbauer und Katharina Heitmann

Verlag: Balance buch + medien verlag, 144 Seiten, 15.00 Euro

Die Berichte in diesem Erfahrungsband, verfasst von erwachsenen Töchtern und Söhnen psychisch kranker Eltern, sind schwer auszuhalten – und gerade deswegen ist es so wichtig, dass sie erschienen sind. Denn sie werden vielen anderen Betroffenen Mut machen, sich ihren Erinnerungen zu stellen und sich – vielleicht – mit der eigenen Familiengeschichte zu versöhnen.

Entstanden ist das Buch im Zusammenhang mit einer Studie, in der rund 500 erwachsene Kinder psychisch Erkrankter zu ihren Kindheitserfahrungen und ihrem weiteren Lebensweg befragt wurde. Die Resonanz war überaus positiv und viele Teilnehmende äußerten den Wunsch nach einem Buch mit Erfahrungsberichten, um sich bewusster mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, ihre Probleme und die heutige Lebenssituation besser zu verstehen.

Erstaunlicherweise, so die Herausgebenden, gibt es nur wenig Fach- und Ratgeberliteratur zur biografischen Entwicklung dieser Gruppe und zum speziellen Hilfebedarf. Der Fokus liegt bisher vorwiegend auf der Situation von Kindern und Jugendlichen, dabei weiß man inzwischen, wie nachhaltig sich die psychische Erkrankung eines Elternteils auf das weitere Leben auswirken kann. Das zeigen sehr deutlich die erschütternden Berichte in diesem Buch.

Da ist zum Beispiel Katharina, 42, Tochter einer zwangsgestörten Mutter. Wenn sie von der Schule kam, musste sie sich am Eingang nackt ausziehen, direkt ins Bad gehen und dort mindestens eine Stunde baden, unter Aufsicht der Mutter. Anschließend bekam sie frisch gewaschene Kleidung und wurde im Haus eingesperrt, damit sie sich nicht wieder „verunreinigte“. Nie gab es Besuch im Haus, nie durfte sie mit anderen Kindern spielen, nie jemanden erzählen, wie es zuhause war. Lange Zeit war sie selbst in diesem Teufelskreis gefangen und hat die Zwänge ihrer Mutter unterstützt, weil sie deren Verhalten nicht einordnen konnte. Bis heute ist sie massiv verunsichert und traut ihrer eigenen Wahrnehmung und ihren Bedürfnissen nicht.

Ute, 54, lebte in ständiger Angst, dass sich ihre depressive und alkoholkranke Mutter das Leben nehmen könnte. Sie dachte: „Wenn ich mich nur genug anstrenge, wird sie wieder glücklich.“ Sie stellte ihre eigenen Bedürfnisse zurück, hatte immer Schuldgefühle, nicht genug getan zu haben. Trotz aller Bemühungen trank sich die Mutter schließlich zu Tode.

Vanessa, 41, Tochter einer an Schizophrenie erkrankten Mutter, schreibt: „Meine Narben bleiben für immer.“ Sie erinnert sich an ihre unbeschreibliche Wut, sie konnte sich selbst nicht mehr spüren und begann sich zu ritzen und sich mit Mitschülerinnen zu prügeln. Ihr Vater ließ sie mit der kranken Mutter allein, sie fühlte sich im Stich gelassen und überfordert.

Vom abwesenden Vater ist oft die Rede in den Berichten. Auch von Scham- und Schuldgefühlen, Bindungstrauma, Versagensängsten, weil die Bürde der vermeintlichen Verantwortung zu hoch ist. Das Erzählen der eigenen Geschichte war für alle Betroffenen schmerzhaft und hilfreich zugleich, schreiben sie, denn die intensive Auseinandersetzung mit sich selbst, mit dem eigenen Verhalten, förderte verborgene und lange unterdrückte Gefühle hervor. Die Kindheitserlebnisse zu verarbeiten ist „eine lebenslange Aufgabe“, schreibt Vanessa. Aus dieser Erkenntnis schöpfe sie aber auch viel Kraft. „Ich bin es mir wert, für die unabhängige Entfaltung meiner Persönlichkeit und meiner Autonomie zu kämpfen.“ Sie ermutigt andere Betroffene: „Keine Kindheitserfahrung, keine noch so tiefe, unsichtbare Narbe darf Sie entmutigen und daran hindern, ihr eigenes Leben zu leben!“

Rezension von Ute Hüper

Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe

Autor: Wolfgang Welt

Verlag: Suhrkamp

Das Werk und der Autor Wolfgang Welt dürfte den wenigsten bekannt sein. Der 2016 verstorbene Schriftsteller galt und gilt als Geheimtipp. Das ändert sich langsam: Bereits 2014 forderten 30 namhafte Schriftsteller, Journalisten und Literaturwissenschaftler, unter ihnen Peter Handke, Welt mit dem Literaturpreis Ruhr auszuzeichnen. 2018 gab es eine umfangreiche Ausstellung im Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf. Dort wird sein Nachlass verwahrt. Handke gehörte schon früh zu Welts Fans und empfahl ihn an den Suhrkamp-Verlag. Da ist dann auch 2006 sein Buch »Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe« erschienen. Doch zu großem Ruhm hat er es nie gebracht.

Wolfgang Welt, 1952 in Bochum geboren, schreibt über das eigene Leben. Alles, was er erlebt und beobachtet, schreibt er exakt auf, in einer einfachen, schnörkellosen Sprache. Er berichtet über Popmusik(er), seine Tätigkeit als Musikkritiker, Sex oder die schizophrene Psychose, an der er später erkrankt. Seine Musikkritiken gestaltet Welt radikal subjektiv und formuliert klar, wen er schätzt und wen nicht – alle mit Klarnamen. Er schont niemanden, am wenigsten sich selbst. Er ist nie selbstmitleidig, obwohl er allen Grund dazu hätte. Nichts gelingt ihm wirklich und die Annäherungsversuche ans andere Geschlecht misslingen meist gründlich.

Als Musikkritiker erschreibt er sich durch seinen frechen, respektlosen Stil zwar bald einen Ruf, der ihm Aufträge der damals wichtigsten Musikzeitschriften einbringt wie Spex, Sounds und Musikexpress. Doch auf dem Höhepunkt seiner Karriere erkrankt er schwer. Er glaubt, J. R. Ewing zu sein, die Hauptfigur der TV-Serie „Dallas“, und Hans Beimer aus der Lindenstraße. Diagnose: schizophrene Psychose mit manisch-depressivem Einschlag. Er muss mehrmals in die Psychiatrie und fortan regelmäßig Psychopharmaka einnehmen. »Ich schrieb mich verrückt«, heißt dann auch das letzte Kapitel im Buch – so furios und rasant erzählt, wie man es noch nicht über Psychosen gelesen hat.

Nach seiner psychischen Erkrankung beendet er seine Journalistenlaufbahn und arbeitet erst als Wachmann, ab 1991 als Nachtpförtner im Schauspielhaus Bochum. Nebenher schreibt er weiter. Bei Suhrkamp erschien 2009 noch der Roman: »Doris hilft«. Martin Willems veröffentlichte im Klartext-Verlag in Zusammenarbeit mit Wolfgang Welt Texte von ihm unter dem Titel: »Ich schrieb mich verrückt.«

Rezension von Ute Hüper

Wahnsinn um drei Ecken Eine Familiengeschichte

Autorinnen: Kerstin Samstag, Friederike Samstag

Verlag: Balance buch + medien Verlag, 174 Seiten, 16 Euro

Solch ein Buch hat es bisher nicht gegeben: Mutter und Tochter schreiben – abwechselnd und gemeinsam, wie sie die psychische Erkrankung ihres Sohnes und Bruders erleb(t)en. Allein diese unterschiedlichen Perspektiven machen das Buch besonders. Ein »systemisches Buch im besten Sinne«, schreibt Paar- und Familientherapeut Hartwig Hansen in seiner Rezension: »Hier werden die Sicht- und Erlebensweisen von Mutter und Tochter einzeln und immer wieder aufeinander bezogen geschildert, so dass Widersprüche, Missverständnisse sowie die schwer erkämpfte Klärung deutlich nachvollziehbar werden. So etwas Spannendes habe ich vorher noch nicht gelesen.«

Die Mutter – selbst Psychotherapeutin – und Tochter/Schwester – heute Philosophin – haben ihr Buch geschrieben, weil sie „Texte über das Erleben von Geschwistern und über die Krise der Familienbeziehungen insgesamt vermisst (haben). Wir glauben, solche Texte hätten geholfen, das eigene Erleben einzuordnen und uns weniger allein zu fühlen.“

Ihren Versuch einer Einordnung haben sie in drei Kapitel eingeteilt: 1. Schock und Ohnmacht, 2. Isolation und Rückzug, 3. Den eigenen Ort finden.

Es ist bewundernswert und berührend, wie offen Mutter und Schwester über ihre Gefühle schreiben: Schuldgefühle und Überforderung der Mutter, Verzweiflung der Tochter, die Angst hat um den suizidalen Bruder, sich aber gleichzeitig in den Hintergrund gedrängt fühlt, Ohnmacht gegen die Allmacht der »Profis«, die alles besser wissen.

Die Texte haben eine hohe literarische Qualität und ziehen allein deswegen schon in den Bann. Sie sind zudem eine ehrliche Bilanz auch der eigenen Schwächen und Stärken. Kurzum: Ein bewegendes Buch, nicht nur für Angehörige lesenswert.

Rezension von Ute Hüper

Aus den Winterarchiven

Autorin: Merethe Lindstrøm

Verlag: Matthes & Seitz, Berlin 2018, 294 Seiten, 22 Euro

Merethe Lindstrøm schreibt in den »Winterarchiven« über das Leben mit ihrem bipolaren, suizidgefährdeten Mann Mats. Es ist ein sehr persönlicher Roman. „Die Narben sind nicht leicht zu entdecken, die deinen, die meinen, aber ich habe von Anfang an das Gefühl, wir führen etwas zusammen, was man vielleicht nicht zusammenführen sollte, die Schizophrenie deiner Mutter, den Alkoholismus deines Vaters, die Angst meines Vaters, wir sind ein genetischer Code für Unruhe.“

Lindstrøms Sprache ist poetisch, fließt oft in langen Sätzen, dabei unterschiedliche Kontexte verbindend. Beobachtungen aus der Gegenwart, in der sie schreibt, wechseln sich mit Rückblicken ab. Immer wieder taucht sie dabei tief in ihr eigenes Leben und das anderer ein: in Mats Kindheit, in das seiner Mutter und ihres Vaters. Es ist der Versuch einer Selbsterkundung, sie will Klarheit über sich selbst. Dieses wechselnde Geschehen ist anspruchsvoller Stoff und verlangt nach langsamem und achtsamem Lesen, sonst verliert man leicht die Orientierung.

„Aus den Winterarchiven“ ist auch das Zeugnis einer starken Liebe. Und der »genetische Unruhe-Code« erweist sich dabei offenbar als Basis ihrer Verbindung: Seit 18 Jahren sind Mats und Merethe ein Paar, sie haben zwei gemeinsame Töchter. Es sind wohl die Gemeinsamkeiten und die ähnlichen Erfahrungen, die sie beide zusammengeführt und verbunden haben und sie alle Widrigkeiten und Zumutungen seiner Krankheit überstehen lassen. Einmal wollte sie aufgeben und ihn verlassen: Sie ging zur Bushaltestelle und wieder zurück.

Das Haus, in das sie erst kürzlich eingezogen sind, um ihre Beziehung zu retten, die Landschaft und die Jahreszeit spielen eine große Rolle. Herbst und Winter sind vorbei, jetzt kommt der Frühling, sie werden das neue Haus wieder verlassen: »Der Frühling: dass es möglich ist, weiterhin zu gehen, einfach weiterzugehen (…) ich bin froh, dass du hier bist, alles noch immer hier ist, dass es ist und weitergeht.“

Rezension von Ute Hüper

Seelischer Marathon Eine ungewöhnliche Lebensgeschichte

Autorin: Andrea Virani

Verlag: Verlagshaus Schlosser

Kurzbeschreibung: Dieses Buch ist wie eine Bestätigung des Ratgebers von Svenja Bunt und Sibylle Prins: ein zufriedenes Leben ist trotz schwerer psychischer Krisen, leidvoller Erfahrungen und geplatzter Lebensträume möglich. Andrea Virani ist die Tochter einer Frau, die an Schizophrenie leidet. Der Vater ist abwesend und kümmert sich nicht. Als die Mutter in die Psychiatrie muss, wird Andrea in wechselnden Pflegefamilien untergebracht, wo sie seelische und körperliche Misshandlungen sowie sexuellen Missbrauch erlebt. Trotz dieser schwierigen Startbedingungen baut sie sich anfangs ein erfolgreiches Leben auf. Sie gilt als hochbegabt, absolviert ein Studium mit Auslandsaufenthalten, ist attraktiv und umschwärmt. Mit 21 Jahren dann der erste Psychiatrieaufenthalt, dem später viele weitere folgen. Heute macht sie Betroffenen Mut und ist aktiv in der Selbsthilfe.

Ihre Geschichte erzählt sie in Vor- und Rückblicken und nach Themen gegliedert. Das ist manchmal verwirrend, auch wegen der Wiederholungen, die es zwangsläufig gibt. Aber auch erhellend, weil sie sich dabei selbst „auf die Schliche“ kommt und ihr Verhalten beinahe nüchtern und auch ohne große Schuldzuweisungen, beispielsweise an die Mutter, reflektiert.
Ihr Resümee am Schluss des Buches ist zuversichtlich: Im Laufe der therapeutischen Prozesse hat sie ungeahnte Begabungen entdeckt wie Malerei und Musik, sie ist menschlicher, liebevoller und demütiger geworden, schreibt sie. Ihr neu gewonnener christlicher Glaube trägt sie ebenso wie die Freunde, die sie in diesem Kreis gefunden hat. Sie ist in einem Selbsthilfeverband politisch aktiv. »Die Psychiatrie stigmatisiert noch immer, das erfahre ich oft am eigenen Leib. Aber noch viel tiefer geht die Stigmatisierung, wenn man sich selbst damit identifiziert. Mich hiervon zu emanzipieren war ein langer, anstrengender Weg, der noch immer andauert. Ich möchte Menschen mit ähnlichen Erfahrungen Mut machen, dass es sich wirklich lohnt und dass es ein hohes Gut ist, für ein freies und selbstbestimmtes Leben zu kämpfen.«

Rezension von Ute Hüper

ISBN: 978-3-96200-010-3, 214 Seiten, 12,90 Euro

Wieder besser drauf! Ein Ratgeber für junge Menschen zum Umgang mit Stimmungstiefs und Depressionen

Autoren: Gunter Groen, Dorothe Verbeek

Verlag: BALANCE buch+medien Verlag

Kurzbeschreibung: "Wieder besser drauf! Ein Ratgeber für junge Menschen zum Umgang mit Stimmungstiefs und Depressionen" Das Buch wendet sich explizit an Jugendliche und junge Erwachsene in emotionalen Krisen. Das fachlich erfahrene Autorenpaar Gunter Groen und Dorothe Verbeek gibt grundlegende und gut verständliche Informationen zu Traurigkeit und Depressionen. Darüber hinaus vermitteln sie hilfreiche Strategien, sich mit den unguten Gefühlen auseinanderzusetzen, die in der Pubertät auf einen einstürmen und zu überwältigen drohen. Ziel ist u. a., sich selbst besser kennenzulernen und zu ermutigen, sich bei Bedarf weitere Hilfe zu holen. https://www.balance-verlag.de/buecher/detail/book-detail/wieder-besser-drauf.htm

Rezension von Ute Hüper

Molly und das große NICHTS

Kinderbuch über Depressionen und Suizidalität

Autorinnen: Anna Sophia Backhaus, Rosa Linke

Verlag: BALANCE buch + medien Verlag

Kurzbeschreibung: "Molly und das große NICHTS" heißt das neue Buch aus der Reihe kids in BALANCE. Ein Bilderbuch über Leben- und Nicht-leben-Wollen. Die Geschichte beginnt mit einem Blick zurück in Mollys Kindheit. Sie wächst wohl behütet auf mit liebevollen Eltern, einer großen Schwester, mit der sie sich gut versteht, und Großeltern, die sie verwöhnen. Bis in der Pubertät die Dinge plötzlich verblassen: "Der blaue Himmel wurde grau, der Duft nach frisch gemähten Gras ging verloren, Omas Bratkartoffeln schmeckten nicht mehr." Molly fühlt nichts mehr. Auch Eltern und Schwester verlieren ihre Bedeutung. Alles ist egal geworden. Selbst die Erinnerung an die Gefühle hat sie verloren. So will sie nicht leben. Mollys Geschichte wird erzählt von Anna Sophia Backhaus, die als Jugendliche selbst Erfahrungen mit Depressionen und Suizidgedanken hatte. Die Illustratorin Rosa Linke hat das Geschehen grafisch kongenial umgesetzt. Der Verlust der Empfindungen, wie er für eine Depression typisch ist, wird in ein Verblassen der Farben übersetzt - die dann bei der Genesung intensiv zurückkommen: "Alles ist zurückgekommen. Die Farben, die Düfte, der Geschmack. Ich lebe." Die Geschichte geht gut aus, nicht nur im Buch. Die Autorin ist heute freischaffende Sängerin, Sprecherin und unterrichtet an der Musikhochschule. Es ist ein großartiges und wichtiges Buch, das den beiden gelungen ist. Es setzt noch mal einen anderen Akzent in dieser verdienstvollen Reihe, die (nicht nur) Kindern psychische Erkrankungen verständlich machen. Vielleicht, weil es eine authentische Geschichte ist und aus dieser Perspektive erzählt wird. Vielleicht auch, weil mögliche Ursachen nicht genannt werden und es keine Erklärungen gibt. Im Anhang findet man jedoch - wie in allen Kinderbüchern - kurze Informationen zum Krankheitsbild und zu Beratungsangeboten. Besonders hilfreich ist der Hinweis, dass man sich nicht scheuen sollte, auf die betroffene Person zuzugehen und sie anzusprechen, wenn man merkt, dass es ihr schlecht geht.

Zehn Jahre kids in BALANCE - eine Erfolgsgeschichte

Kids in BALANCE ist die Kinderbuchreihe im BALANCE buch + medien Verlag, ein Imprint des Psychiatrie Verlages. Durch kindgerechte Geschichten und Bilder werden psychische Erkrankungen verstehbar. Sie helfen Kindern, Veränderungen in der Familie, die durch seelische Krisen ausgelöst werden, einzuordnen. Eltern bieten die Bücher Unterstützung dabei, Probleme in der Familie offen zu besprechen. Auch in Kindergärten sind sie gut einsetzbar. 2018 kann der Verlag das zehnjährige Jubiläum feiern: Was 2008 mit "Mamas Monster" begann, hat sich zu einer veritablen Reihe ausgewachsen, die ein breites Themenspektrum abdeckt: ADHS, Autismus-Spektrum-Störung, Borderline, Depression, Magersucht, Psychose, Trauma, Unfallfolgen. Herzlichen Glückwunsch und weiter so! Alle Titel von kids in BALANCE: https://www.balance-verlag.de/buecher/kids-in-balance.html. Besprechungen zu einigen Bilderbüchern sind hier nachzulesen: https://www.psychiatrie.de/buecher/kinderjugendliche/kids-in-balance.html.

Rezension von Ute Hüper

Lady Liberty Das Leben der jüngsten Marx-Tochter Eleanor

Autorin: Eva Weissweiler

Verlag: Hoffmann & Campe, 978-3-455-00293-5, 20,90 Euro

Kurzbeschreibung: Zum 200. Geburtstag von Karl Marx häufen sich die Veröffentlichungen. Ein Tipp: das Buch von Eva Weissweiler über die jüngste Marx-Tochter Eleanor, genannt "Tussy". Es ist die Neuausgabe ihrer Biographie von 2002, in der sie sich vor allem mit dem "Drama der Vatertochter" auseinandergesetzt hat. In "Lady Liberty", (diesen Namen erhielt sie auf ihrer Vortragsreise durch Amerika) zeigt sie Eleanor nicht nur als Tochter eines übermächtigen Vaters, sondern als politische Aktivistin, als Journalistin, als Übersetzerin, als Literatin. Eleanor sprach mehrere Sprachen fließend und lernte mal eben Norwegisch für eine Ibsen-Übersetzung. Sie war eine tatkräftige Frau, witzig, schlagfertig, klug und belesen, obwohl sie keine Schulbildung im üblichen Sinne erhielt (davon hielt Marx nichts, sie wurde zu Hause unterrichtet) und auch nicht studiert hat. Sie war rhetorisch hoch begabt und wurde nach Marx Tod zur Gallionsfigur der englischen Gewerkschaftsbewegung, besonders für die Frauen. Unerschrocken hat sie sich in die Fabrikhöllen begeben und in die Slums und darüber in zahlreichen Artikeln berichtet. Sie war maßgeblich beteiligt an der 2. und 3. Ausgabe des Kapitals und hat die politische Auseinandersetzung mit Marx´ Werk angeregt. Eine starke Frau also, aber mit verletzlicher Seele. Immer wieder litt sie unter schweren Depressionen. Ihr großer Wunsch, Schauspielerin zu werden, wurde ihr von Marx strikt untersagt. Stattdessen wurde sie seine Sekretärin. "Tussy, that`s me", soll Marx gesagt haben, was einerseits die symbiotische Beziehung der beiden widerspiegelt, andererseits verdeutlicht, wie schwierig es für die Tochter war, ein eigenständiges Leben zu führen. Das ist ihr nach seinem Tod auch nur zum Teil gelungen. Die Beziehung zu Edward Aveling, die sie nach dem Tod ihres Vaters einging und die ähnlich symbiotisch war, war schwierig. Er trank, spielte und betrog sie. 1898 - sie war 43 Jahre alt - erfuhr sie, dass Aveling unter falschem Namen eine junge Schauspielerin geheiratet hatte. Sie beschloss, sich noch am selben Tag umzubringen. Eva Weissweiler hat Hunderte von Dokumenten erstmals ausgewertet, darunter Eleanor Marx` Korrespondenz mit Kautsky, Bernstein, Singer, Adler u.a. Zugleich erfahren wir eine Fülle unbekannter Details aus dem Leben und Wirken von Karl Marx und anderer Protagonisten der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts. Ein großartiges, spannend zu lesendes und hochaktuelles Buch.

Rezension von Ute Hüper

Perfektionismus Mit hohen Ansprüchen selbstbestimmt leben

Autorinnen: Christine Altstötter-Gleich, Fay C.M. Geisler

Balance Ratgeber, 1. Auflage 2017, 16,00 € 160 Seiten, ISBN: 978-3-86739-165-8

Kurzbeschreibung: Das Titelbild lässt stutzen: zwei Hände halten eine kleine Keramikschale. Sie zeigt deutliche Bruchspuren, die zwar sorgsam geflickt wurden – trotzdem fragt man sich unwillkürlich: Wie passt diese „unperfekte“ Schale zum Thema dieses Ratgebers? Die Antwort geben die Autorinnen im Vorwort: Es handelt sich um eine japanische Teeschale, die nach traditioneller Methode mit einer Kittmasse repariert wurde, die feinstes Pulvergold enthält. Die Technik steht in der Tradition des Zen-Buddhismus und ist Ausdruck der Wertschätzung von Fehlerhaftigkeit. Soll heißen: Fehler sind menschlich und lassen sich nicht vermeiden. Und: Öfter als man denkt, bringen sie etwas hervor, was eine neue und positive Qualität hat.

Für perfektionistische Menschen ist es sicher unendlich schwer, ihre Fehler wertzuschätzen und darin gar etwas Positives zu sehen. Wer das kann, wird gut mit hohen Ansprüchen leben. Daneben gibt es jedoch auch Formen der Charaktereigenschaft, unter denen die Betroffenen, ihr Selbstwertgefühl und ihre sozialen Kontakte leiden. Und die zum Risiko werden können für schwerere psychische Erkrankungen.

Damit beschäftigt sich dieser Ratgeber aus dem Balance Verlag. Die Autorinnen, beide Psychologinnen mit Lehrstühlen in Koblenz bzw. Greifswald, zeigen auf, welche Prozesse daran beteiligt sind, dass Perfektionismus zum Problem werden kann, welche Ursachen zugrunde liegen (können) und wie man der „Perfektionismus-Falle“ entkommen kann.

Wie jeder Ratgeber aus dieser Reihe ist er auch als Hilfe zur Selbsthilfe gedacht. Dazu laden zahlreiche Übungen und Abbildungen ein. Ergänzend sind weitere Materialien im Downloadbereich zu finden.  

https://www.balance-verlag.de/buecher/detail/book-detail/perfektionismus.html

Rezension von Ute Hüper

Zeitschriften

Die Kerbe hat in ihrer aktuellen Ausgabe den Schwerpunkt Psychopharmaka: Segen oder Fluch *. Ein Thema, das immer wieder heftige Debatten auslöst. Das lassen auch einige Artikel erwarten, wie z.B. der von Volkmar Aderhold, Jan Schlimme und Stefan Weinmann, die über Reduzieren und Absetzen von Antipsychotika schreiben und Empfehlungen zu einer kontrollierten Dosisreduktion geben. Sowie der Beitrag von Peter und Sabine Ansari über Depressionen und Antidepressiva. Von Serotonin und anderen Mythen. Sie greifen eine Entdeckung auf, die bereits vor über 100 Jahre gemacht wurde: Depressionen hören von alleine auf. Das Inhaltsverzeichnis und Leseproben findet man hier: www.kerbe.info/das-heft/aktuelle-ausgabe/   

Die Psychosoziale Umschau hat das Thema Sich zeigen. Die Beiträge beschäftigen sich mit der Problematik, ob und wie man als Betroffene oder Angehörige über psychische Erkrankungen spricht – oder doch lieber schweigt. www.psychiatrie-verlag.de/zeitschriften/psychosoziale-umschau.html

Die Zeitschrift Sozialpsychiatrische Informationen vereint im neuen Heft wissenschaftliche und erfahrungsbasierte Artikel zum Thema Spiritualität – Ressource, Hemmnis, Illusion? www.psychiatrie-verlag.de/zeitschriften/sozialpsychiatrische-informationen.html

Wer sich für rechtliche Fragen interessiert wird in der Zeitschrift Recht & Psychiatrie fündig: https://www.psychiatrie-verlag.de/zeitschriften/recht-psychiatrie.html

*Als Ergänzung zum Themenheft der Kerbe sei noch auf das Buch Medikamentenreduktion und Genesung von Psychosen verwiesen, das Jan Schlimme gemeinsam mit der Betroffenen Thelke Scholz und der Angehörigen Renate Seroka geschrieben hat. Es erscheint im Juni im Psychiatrie Verlag www.psychiatrie-verlag.de/buecher/detail/book-detail/medikamentenreduktion-und-genesung-von-psychosen.html . In der aktuellen Ausgabe des kostenlosen Magazins Psyche in Balance spricht das Autorenteam über die Frage, wie man einen Reduktionsprozess erfolgreich gestalten kann. Das Magazin kann man beim Verlag bestellen oder hier online lesen: www.yumpu.com/de/document/view/59924827/pib-2018-1-screen

Angehörige sind Erfahrene

Autor: Fritz Bremer / Hartwig Hansen (Hg.)

Verlag: Paranus Verlag

Kurzbeschreibung: Angehörige psychisch erkrankter Menschen kennen diese Gefühle: Schock, Ratlosigkeit, Ohnmacht, Schuld und Angst. Was hilft, ist, sich der eigenen, besonderen Erfahrungen bewusst zu werden und den Austausch mit anderen zu suchen. Dann kann es auch gelingen, sich von Schuldgefühlen und von dem Empfinden zu lösen, ständig zum Tragen schwerer Verantwortung verpflichtet zu sein. Über all dies berichten Eltern und Partner in diesem Buch und machen anderen Angehörigen damit Mut, ihren eigenen Weg zu finden.

Hier können Sie das Buch direkt beim Verlag erwerben. 


Als Papa mit den Kerzen tanzte

Autor: Kalle Becker

Verlag:
 atp Verlag

Ein Buch für Kinder über das Thema Schizophrenie mit einem Vorwort von Bettina Busch (Eckhard Busch Stiftung)

Kurzbeschreibung: 
Bald ist Weihnachten. Papa zündet die Kerzen am Adventskranz an, setzt sich den Kranz auf den Kopf und ruft: „Ich bin der Weihnachtskönig!“ Milena findet das lustig, doch Mama macht ein besorgtes Gesicht. Papa macht noch mehr komische Sachen und redet verrücktes Zeug. Mama sagt nur: „Papa ist krank.“ Dieses Buch möchte einen Dialog über das Thema Schizophrenie eröffnen. 

Es kann einen Anstoß zur Kommunikation geben und betroffenen Kindern im Grundschulalter zeigen, dass es Wege gibt, aktiv mit dieser beängstigenden Situation umzugehen, so dass alles wieder gut werden kann.

Hier können Sie das Buch direkt beim Verlag bestellen.

Eine Lesung zum Buch fand im Rahmen der lit.COLOGNE statt, am 18. März, 12 Uhr in der Studiobühne (Universitätsstraße 16a). Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Stigma psychische Krankheit: Zum Umgang mit Vorurteilen, Schuldzuweisungen und Diskriminierungen


Stigma psychische Krankheit

Autor: Asmus Finzen

Verlag:
Psychiatrieverlag

Erscheinungstermin: 11. September 2013

Kurzbeschreibung: Wer kennt nicht das Schlagwort vom Stigma als zweite Krankheit bei einer psychischen Erkrankung? Dieses Thema beleuchtet Asmus Finzen in seinem Buch „Stigma psychische Krankheit – Zum Umgang mit Vorurteilen, Schuldzuweisungen und Diskriminierungen“ und zeigt dabei die Auswirkungen auf betroffene Menschen und deren Angehörige auf. Welche Vorurteile bestehen gegenüber psychisch erkrankten Menschen und inwieweit sind diese überhaupt richtig? Finzen versucht, die Rolle der Medien zu klären, und geht der Frage nach, wie die Psychiatrie selbst dazu beiträgt, Vorurteile zu festigen. Am Beispiel der „schizophrenogenen Mutter“ zeigt er auf, wie überholte Lehrmeinungen weiter in den Köpfen festsitzen. Antistigmaarbeit funktioniert von unten, in der Begegnung in der Nachbarschaft.

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Nele im Nebel

Vom Leben mit psychisch kranken Eltern

Taschenbuch:
120 Seiten

Verlag: Mabuse-Verlag

Erscheinungstermin: Auflage 1 (30. September 2013)

Kurzbeschreibung: Die dreizehnjährige Nele lebt mit ihrer jüngeren Schwester Kiki in einer Wohngruppe. Papa wohnte schon lange nicht mehr bei ihnen. Mama wurde erst immer merkwürdiger und ist dann plötzlich verschwunden. Als Nele eine Lungenentzündung bei Onkel Leo und Tante Friedel auskurieren soll, ist sie alles andere als begeistert: Was soll sie denn auf einer öden Nordsee-Insel? Bestimmt wird sie Kiki ganz furchtbar vermissen. Doch Leo und Friedel entpuppen sich als schwer in Ordnung. Als Nele auch noch den um ein Jahr älteren Tonke kennenlernt, steht sie plötzlich vor einer schwierigen Entscheidung. Behutsam, aber ohne Beschönigungen erzählt 'Nele im Nebel' von dem schwierigen Weg, den viele Kinder psychisch kranker Eltern gehen müssen. Es macht Mut, spendet Trost und zeigt: Egal, was mit Mama und Papa los ist, jedes Kind hat das Recht auf ein eigenes Leben. Der Roman eignet sich auch für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen psychisch kranker Eltern. (Quelle: amazon.de)

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Übersehene Kinder

Biografien erwachsener Töchter von Borderline-Müttern

Taschenbuch:
556 Seiten

Verlag:
Marta Press

Erscheinungstermin: Auflage 1 (14. August 2013)

Kurzbeschreibung: 32 erwachsene Töchter zwischen 19 und 62 Jahren beschreiben ihr Leben, das durch ihre Mütter, die an der Borderline Persönlichkeitsstörung erkrankt sind, wesentlich geprägt wurde. Ein Tabu-Thema: Alle 32 Töchter erlebten psychische Gewalt, viele von ihnen auch körperliche Gewalt und manche von ihnen sogar sexuelle Gewalt durch ihre Mütter! Die Mütter sind an Borderline erkrankt, weil sie in ihrer eigenen Kindheit oder Jugend durch emotionale Vernachlässigung, körperliche, sexuelle und/oder psychische Gewalt, durch Verlusterfahrungen und/oder Krieg traumatisiert worden sind. 

Diese, von ihnen unbearbeiteten, Traumata haben Auswirkungen auf ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder und Enkelkinder. In der Gesellschaft und in psychiatrisch-therapeutischen Kontexten gehören die Töchter und Söhne auch heute noch zu den "übersehenen" Kindern psychisch kranker Eltern(teile). Zugleich werden frauenfeindliche gesellschaftliche Strukturen und Mechanismen sowie ihre Auswirkungen auf die Biografien der Mütter und der Töchter deutlich. Die Autorinnen hoffen, dass, ausgehend von den dargestellten Erfahrungen und den daraus gewonnenen Erkenntnissen, die transgenerationale Weitergabe von Traumatisierungserfahrungen in jetzigen und zukünftigen Familien wenigstens abgemildert werden kann. Im Praxisteil stellt Psychologin Marianne Stygerhierfür Ideen zur "Frühen Hilfe" für Borderline-Mütter und ihre Kinder vor.

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Patenschaften praxisnah

Autorinnen: Christine Perzlmaier und Birgit Sonnenberg

Taschenbuch:
246 Seiten

Verlag:
Beltz Juventa

Erscheinungstermin: Auflage: 1 (4. März 2013)

Kurzbeschreibung:
Das Buch „Patenschaften praxisnah“ von Christine Perzlmaier und Birgit Sonnenberg (beide Sozialdienst katholischer Frauen e.V., München) beschreibt die praxisnahe Umsetzung von ehrenamtlichen Kinder- und Familienpatenschaften und deren grundsätzliche Bedeutung. Ein eigenes Kapitel ist Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern vorbehalten.

Im Mittelpunkt steht die erfolgreiche Vermittlung von Paten und Familien. Auch Stolpersteine für eine gelungene Patenschaft kommen zur Sprache. In vielen Praxisbeispielen werden die Herausforderungen für alle Beteiligten veranschaulicht.

Das Buch, das im Beltz-Verlag erschienen ist, richtet sich sowohl an Fachkräfte als auch an die Menschen, die an ehrenamtlichen Patenschaften beteiligt oder interessiert sind.

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Helfensbedürftig: Heimfrei ins Dienstleistungsjahrhundert

Autor: Klaus Dörner

Broschiert:
247 Seiten

Verlag:
Paranus Verlag

Erscheinungstermin: Auflage: 2, 25. Juni 2012

Kurzbeschreibung:
Das Wort "helfensbedürftig", das es in der deutschen Sprache eigentlich gar nicht gibt, hat mir die meisten positiven Zuschriften von Leserinnen und Lesern eingetragen. Deshalb will ich es diesem Buch voranstellen.In den letzten dreißig Jahren sind so viele neue ambulante Hilfeformen für die Inklusion integrationsbedürftiger Bürger - nicht zuletzt im "Bürger-Profi-Mix" - erprobt worden, dass wir heute vor zwei Fragen stehen, die die Fragen dieses Buches sein sollen. Da ist einmal die Frage, wie man die unendlich vielen gelungenen Beispiele für neue Hilfeformen sammelt, kritisch bewertet und schließlich so verallgemeinert, dass daraus eine neue und zukunftsfähige Hilfekultur für alle wird...  (Quelle: amazon.de)

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Tigertränen: Tagebuch von Miriam, Tochter einer psychisch kranken Mutter

Autorin: Miriam Sweg

Taschenbuch:
200 Seiten

Verlag:
Re Di Roma-Verlag

Erscheinungstermin: Auflage: 1, 24. Oktober 2012

Kurzbeschreibung:
Jahrelang schwieg Miriam über das, was sie zu Hause erlebte: Keine Geschenke zu Weihnachten, der Strom war abgestellt, die Mutter psychisch krank und in ihrem Verhalten unberechenbar. Anhand ihrer Tagebuchaufzeichnungen macht Miriam, inzwischen erwachsen, auf das Leben, die Herausforderungen und Risiken von Kindern mit einem psychisch kranken Elternteil aufmerksam - den extremen Stress und traumatische Erfahrungen. Gleichzeitig gibt Miriam einen Einblick in ihren Therapieprozess und die Arbeit mit ihrem inneren Team. Authentisch, einfühlsam und Mut machend beschreibt sie ihren Weg des Loslassend und Losgehens, einen Aufbruch zu einem Leben in Freude ... (Quelle: amazon.de)

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Acht Wochen verrückt

Autorin: Eva Lohmann

Taschenbuch: 224 Seiten

Verlag: Piper Taschenbuch

Erscheinungstermin: 16. Juli 2012

Kurzbeschreibung:
Verrückt ist doch jeder, der in die Klapse kommt. Mila also auch. Acht Wochen wird sie erst mal bleiben. Was sie da soll? Und was es eigentlich heißt, normal zu sein? Wer weiß das schon. Auf jeden Fall begegnet sie einer Menge Verrückter – und endlich auch wieder sich selbst. (Quelle: amazon.de)

Über die Autorin:
Eva Lohmann, Jahrgang 1981, arbeitet als Inneneinrichterin und Werbetexterin in Hamburg. Ihr schonungslos offenes Debüt „Acht Wochen verrückt“ über die Erlebnisse ihrer Heldin in einer Psychoklinik fand große Beachtung in der Presse und wurde ein Publikumserfolg. (Quelle: amazon.de)

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Drüberleben: Depressionen sind doch kein Grund, traurig zu sein

Autorin: Kathrin Weßling

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

Verlag:
Goldmann Verlag (3. September 2012)

Kurzbeschreibung:
Ida steht zum wiederholten Mal in ihrem Leben vor der Tür einer psychiatrischen Klinik, mit einem Zettel, auf dem ihr Name und der Grund für ihren Aufenthalt genannt sind. F 32.2. Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome. "Drüberleben" erzählt von den Tagen nach diesem Tag, von den Nächten, in denen die Monster im Kopf und unter dem Bett wüten, den Momenten, in denen jeder Gedanke ein neuer Einschlag im Krisengebiet ist. Es erzählt von Gruppen, die merkwürdige Namen tragen, von Kaffee in ungesund großen Mengen, von Rückschlägen und kleinen Fortschritten, von Mitpatienten und von Therapeuten. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die sich zehn Wochen in eine Klinik begibt und dort lernt zu kämpfen. Gegen die Angst und gegen das Tiefdruckgebiet im Kopf. (Quelle: amazon.de)

Über die Autorin: 
Kathrin Weßling, 1985 in Ahaus geboren, lebt und atmet in Hamburg. Sie gewann bereits zahlreiche Poetry-Slams und war Protagonistin mehrerer Folgen der Sendung "Slam Tour mit Sarah Kuttner". Es folgten Publikationen in Magazinen wie uMag und jetzt.de. Derzeit arbeitet Kathrin Weßling als freie Texterin und Autorin. (Quelle: amazon.de)

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Psychisch kranke Eltern und ihre Kinder

Die vergessenen Angehörigen

Autor:
Albert Lenz

Verlag: Psychiatrie Verlag GmbH & BALANCE buch + medienverlag

Umfang: 144 Seiten

ISBN: 978-3-88414-541-8

Erscheinungstermin: 1. Auflage 2012

Kurzbeschreibung: Kinder werden innerhalb des psychosozialen Hilfesystems oft übersehen. Dabei ist die Mitversorgung der Kinder psychisch kranker Eltern ein unabdingbarer Bestandteil zur Prävention und zum Schutz der seelischen Gesundheit - der Kinder und der Eltern. Denn Mitversorgung bedeutet auch, die betroffenen Eltern nicht mit ihren Nöten und Ängsten allein zu lassen.

Der Diplom-Psychologe und Autor Prof. Dr. phil. Albert Lenz zeigt, warum und wie Kinder bei der Unterstützung berücksichtigt werden sollten. Ein besonderes Augenmerk gilt auch den systemübergreifenden Hilfen, die Kooperation von Psychiatrie und Jugendhilfe, ohne die vieles nicht zu realisieren wäre.

Weitere Infos finden Sie hier.

Die Kosten betragen 16,95 Euro.


"Mama, Mia und das Schleuderprogramm"

Kindern Borderline erklären

Autorinnen: Christiane Tilly und Anja Link (Text), Anika Merten (Illustrationen)

Umfang: 40 Seiten, gebunden

ISBN: 978-3-86739-075-0

Erscheinungstermin: 1. Auflage 2012

Kurzbeschreibung: Wenn ein Familienmitglied psychisch erkrankt, geraten nicht nur die erwachsenen Angehörigen aus dem Gleichgewicht. Auch die Kinder erleben eine große Verunsicherung und suchen nach Erklärungen für das Verhalten des Elternteils. Häufig fühlen sie sich schuldig an der Situation und machen sich große Sorgen. Es ist wichtig, Kinder nicht allein zu lassen mit ihrer Not, ihren Ängsten, Fragen und Wünschen. Sie brauchen Entlastung und Ermutigung, zum Beispiel auch durch altersgemäße Informationen.

Deshalb hat die Eckhard-Busch-Stiftung ein neues Buch gefördert aus dem BALANCE buch+medienverlag: Mama, Mia und das Schleuderprogramm. Darin wird Kindern ab 4 Jahren die Borderline-Erkrankung erklärt. Den beiden Autorinnen, Christiane Tilly und Anja Offermann, ist eine humorvolle und überraschende Geschichte gelungen, in der eine Waschmaschine die Hauptrolle spielt und Mama und Mia gemeinsam lernen, mit dem Schleuderprogramm der Gefühle besser umzugehen. Anika Merten hat die Geschichte mit entzückenden Bildern illustriert. 

Das Buch erscheint in der engagierten Reihe  »Kindern psychische Erkrankungen erklären«. Dort sind bereits Mamas Monster (über Depressionen) und Der beste Vater der Welt (über Psychosen) erschienen. Mehr Informationen und eine Bestellmöglichkeit gibt es hier. Die Bücher sind aber auch über jede Buchhandlung zu beziehen.

Die Kosten bestragen 12,95 Euro.


Die Füchse von Andorra

Hörbuch und Buch

Autorin: Marjaleena Lembcke

Sprecher: Ulrich Noethen

Verlag Hörbuch: Der Audio Verlag, Dav

Verlag Buch: Nagel &Kimche

Kurzbeschreibung: Das Hörbuch „Die Füchse von Andorra“ von MarjaleenaLembcke wurde in der vergangenen Woche bei der Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises in Köln in der Kategorie Kinderhörbuch ausgezeichnet. Erstmals gab es eine Kinder-Jury und die jungen Experten haben sich ein schwieriges Thema ausgewählt: „Die Füchse von Andorra“ beschäftigt sich mit dem Thema Depression.

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Der bipolare Spagat

Buchkritik: Der bipolare Spagat

Verlag:
MVS Medizinverlage Stuttgart

Kurzbeschreibung: Das Buch „Der bipolare Spagat – Manisch-depressive Menschen verstehen“ ist die Hilfe einer Betroffenen für Freunde und Angehörige. Positiv ist ein klarer dreiteiliger Aufbau (Dynamik der bipolaren Störung, Auswirkungen auf Dich und mich, Was hilft Dir? Was hilft mir?). Es gibt viele Gliederungspunkte mit Binnengliederung, direkte Tipps und Ratschläge aus der Sicht einer Betroffenen. Der Angehörige wird in seiner Bedeutung ernst genommen. Es besteht jedoch die Gefahr, den Angehörigen durch die schiere Menge der Ratschläge und einige heftige Forderungen (bei „Fremdgehen“ dies nur als Zeichen der Krankheit zu sehen und nicht persönlich zu nehmen) zu überfordern.

Fazit:
Ein lohnenswertes kleines Buch, in dem sich eine psychisch Kranke traut, Dinge beim Namen zu nennen und das vom Verlag liebevoll bebildert und gut lektoriert wurde.

Es erscheint in den MVS Medizinverlagen Stuttgart, Postfach 30 05 04, 70445 Stuttgart, Tel.: 0711/89 31-0, Branka.Kadri(at)medizinverlage.de.

Die Kosten betragen 17,99 Euro.


Warum ist Mama so traurig, auch wenn die Sonne lacht?

Kindgerechte Berichte über schwere Erkrankungen

Verlag: Mehr Zeit für Kinder e.V.

Kurzbeschreibung:
Unter www.mzfk.de bietet der Verlag Mehr Zeit für Kinder e.V. mehrere Ratgeber für Familien im Umgang mit einer schweren Erkrankung an. Hilfestellung für Familien im Umgang mit Depressionen leistet das Buch „Warum ist Mama so traurig, auch wenn die Sonne lacht?“. Es besteht aus zwei Teilen. Eine Vorlesegeschichte im ersten Teil richtet sich an Kinder im späten Kindergarten- und frühen Grundschulalter. Praxisorientierten Rat und Anregungen für den gemeinsamen Alltag finden Eltern im zweiten Teil des Buchs. Weitere Ratgeber gibt es zu den Themen „Warum legt Oma die Brille in den Kühlschrank? Familienalltag mit Demenz“ und „Warum trägt Mama im Sommer eine Mütze? Familienalltag mit der Diagnose Brustkrebs“.

Die Bücher sind erhältlich als Hardcover für 4,98 Euro. Außer über die Website lassen sich die Ratgeber auch per E-Mail unter info(at)mzfk.de oder telefonisch (069/156 89 60) bestellen. 


Lieber Matz, Dein Papa hat 'ne Meise

Herausgeber: Sebastian Schlösser

Verlag: Ullstein Verlag

Erscheinungstermin: September 2011

Kurzbeschreibung: Mit der Diagnose „manisch-depressiv“ landet Sebastian Schlösser in der Psychiatrie. In seinem Buch erzählt er seinem achtjährigen Sohn, was die Krankheit mit ihm gemacht hat – mutig, anrührend und liebevoll.

Sebastian Schlösser gilt als Shooting Star. Mit gerade mal 27 wird er Theaterregisseur am Hamburger Schauspielhaus. Doch der Höhenflug endet abrupt: Sebastian Schlösser leidet an einer bipolaren Störung. In den manischen Phasen ist er größenwahnsinnig, arbeitet Tag und Nacht und ist durch nichts zu bremsen. In den depressiven Phasen ist er so in sich gefangen, dass er nichts mehr fühlt und an Selbstmord denkt. Schließlich bricht er zusammen und erkennt: So kann es nicht weitergehen. Was mit einem Menschen passiert, der in die „Irrenanstalt“ eingeliefert wird; was es bedeutet, psychisch krank zu sein; und wie schwierig es ist, seine „Meise“ zu bezwingen – das alles beschreibt Schlösser auf wunderbare Weise seinem kleinen Sohn. (Quelle: Ullstein Verlag)

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Nur wer gut für sich sorgt, kann für andere sorgen

Herausgeber: Sabine Marya

Verlag: Paranus Verlag der Brücke Neumünster gGmbH

Erscheinungstermin: August 2011

Kurzbeschreibung: Im August 2011 erschien der „Selbsthilfe-Leitfaden für pflegende Fachkräfte und Angehörige“ mit dem programmatischen Titel: „Nur wer gut für sich sorgt, kann für andere sorgen“. Geschrieben hat ihn Sabine Marya, im doppelten Sinne pflegeerfahren – dreizehn Jahre als examinierte Krankenschwester und lange Jahre als pflegende Angehörige. Das Buch ist kritische Bestandsaufnahme und Anleitung zur Selbsthilfe zugleich. Das Credo der Autorin: Nicht nur den Gepflegten sollte es besser gehen, sondern auch den Pflegenden.

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Das Marionetten-Dasein ist vorbei

Herausgeber: Diana Jordan

Verlag:
Paranus Verlag der Brücke Neumünster gGmbH

Erscheinungstermin: September 2011

Kurzbeschreibung:
Diana Jordan ist heute 50 Jahre alt und blickt auf eine Vergangenheit zurück, die ihr Leben noch heute prägt: Eine Kindheit und Jugend, in der sie von Stiefvater und „Onkel“ missbraucht wurde.

Heute sagt sie entschieden: „Das Marionetten-Dasein ist vorbei“ und hat ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben, um andere Betroffene zu ermutigen, sich ebenfalls auf den Weg zu machen. Sie sagt: „Viele Gespräche, Tränen, Gefühlschaos und Suizidgedanken liegen hinter mir. Ich möchte, so gut es geht, all das erzählen, was mich Stück für Stück nach vorne gebracht hat. Meine Sichtweise hat sich verändert, in Bezug auf meine Kinder, auf mich selbst und auf das Leben im Allgemeinen.“

Irene Johns, die Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein, dankt der Autorin in einem Nachwort für ihren Mut und verweist darauf, dass das Thema „Sexueller Missbrauch“ nicht genug Öffentlichkeit bekommen kann.

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Kinder mit psychisch kranken Eltern: Klinik und Forschung

Herausgeber: Silke Wiegand-Grefe, Fritz Mattejat, Albert Lenz

Verlag: Vandenhoeck&Ruprecht

Erscheinungstermin: Dezember 2010

Kurzbeschreibung: Kinder, die mit psychisch kranken Eltern zusammen leben, laufen Gefahr selbst eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Das Buch gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu Risiko- und Schutzfaktoren, die Einfluss auf die Kinder haben können, sowie zu klinischen Entwicklungen, Familienfunktionalität, Lebensqualität und Evaluation.

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Annikas andere Welt

Reihe „Sowas!“, Band 8

Autoren:
Sigrun Eder, Petra Rebhandl

Verlag:
editionriedenburg

Erscheinungstermin: März 2011

Kurzbeschreibung: „Annikas andere Welt“ vermittelt Kindern psychisch kranker Eltern kindgerecht aufbereitetes Wissen über Krankheitsbilder, Anzeichen und Auswirkungen auf ihre Eltern und die Familie. Daneben werden Eltern und Angehörige darüber informiert, wie Kinder die psychische Krankheit ihrer Eltern erleben, welche Probleme eventuell auftreten und wie sie damit umgehen können. Für PsychologInnen und PsychotherapeutInnen bietet das Buch zudem Anregungen und Arbeitsblätter.

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