Medientipps

Hier finden Sie ausgewählte empfehlenswerte Medientipps – sowohl für Betroffene als auch für deren Angehörige.


12 Jours - 12 Tage

Am 10. Juli 2018 im Odeon Kino, Köln:

Zwölf Tage – das ist die Frist, innerhalb derer in Frankreich ein Psychiatriepatient nach der Zwangseinweisung eine Anhörung vor Gericht bekommen muss, rund 90.000 Menschen durchlaufen im ganzen Land jährlich diese Prozedur.

Für seinen neuen Film bekam der legendäre Regisseur und Fotograf Raymon Depardon als erster Filmemacher überhaupt Zugang zu diesen Verfahren und dokumentierte zehn Fälle in einer Klinik in Lyon.

Die Kamera agiert sensibel und wahrhaftig, sie konzentriert sich auf die Patientinnen und Patienten und nimmt auch die richterliche Instanz in den Blick.

Die Sachlichkeit der Methode ist erhellend und hilft der Empathie des Zuschauers auf die Sprünge: In seltener Klarheit sieht man den großen Schmerz, der allen psychischen Erkrankungen zugrunde liegt.

12 TAGE zeigt Depardon abermals als meisterhaften Beobachter und großen Humanisten des dokumentarischen Kinos.

 


Drei Tage in Quiberon

Seit 12. April im Kino:

Drei Tage in Quiberon. Dieser Film dokumentiert eine wahre Begebenheit, die sich 1981 in Quiberon zugetragen hat: ein Treffen von Romy Schneider mit Stern-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) und Fotograf Robert Lebeck (Charly Hübner). Das Interview wurde legendär. Romy Schneider ist 42 Jahre alt und befindet sich auf der Höhe ihres Ruhms und gleichzeitig in einer kritischen Phase. Sie ist schwer depressiv, schwer alkohol- und tablettenabhängig. Für einige Tage will sie entgiften und ihr Gleichgewicht wieder finden, vor allem für ihren 14jährigen Sohn. Der Film zeichnet die Höhen und Tiefen, diesen typischen Schlingerkurs abhängiger und abhängigkeitskranker Menschen mit großer atmosphärischer Dichte; er denunziert nicht, er beobachtet sorgfältig und findet einen wunderbaren Rhythmus. Schreibt Ilse Eichenbrenner und findet, dass er bei der diesjährigen Berlinale nicht angemessen beachtet wurde. https://www.psychiatrie.de/filme/drei-tage-in-quiberon.html

Beim Deutschen Filmpreis am 27.04.2018 räumte "3 Tage in Quiberon" hingegen ab. Der Film war mit zehn Nominierungen der große Favorit des Abends und wurde insgesamt sieben Mal bedacht, u.a. mit der Goldenen Lola für den besten Film.


Eleanor & Colette

Ab 03. Mai 2018 im Kino:

Das Drehbuch für den US-Spielfilm „Eleanor & Colette“ beruht auf der Geschichte der echten Eleanor Riese, die in den achtziger Jahren ein wichtiges Recht für alle Psychiatriepatient*innen im Staat Kalifornien erkämpfte. Ilse Eichenbrenner, die regelmäßig im Psychiatrienetz aktuelle Filme zu psychiatrischen Themen vorstellt, hat ihn vorab gesehen. Ihre Rezension kann hier nachgelesen werden: https://www.psychiatrie.de/filme/eleanor-colette.html



Lebenslinien - Babak Rafati und seine Depression

Babak Rafati hat iranische Wurzeln und macht sich in Deutschland als erster Bundesliga-Schiedsrichter mit Migrationshintergrund einen Namen. Schon als Kind hat er gelernt, dass er stark und ohne Fehler sein muss, um geliebt und anerkannt zu werden. In der Welt des Fußballs zerbricht er fast an diesem Anspruch.

Weitere Informationen und die ganze Folge finden Sie auf www.br.de.



Hedi Schneider steckt fest

Ab 07. Mai 2015 im Kino:

Hedi, Uli und ihr Sohn Finn haben sich ihr Leben gut eingerichtet – sie nehmen den Alltag, wie er kommt und träumen von dem, was sein könnte. Doch plötzlich steckt Hedi fest. Erst mal nur im Aufzug, aber dann auch im Kopf. Und mit einem Mal ist nichts mehr, wie es war. Obwohl sie versuchen, aneinander festzuhalten, gerät Hedis und Ulis Welt aus den Fugen. Um ihrer Liebe eine letzte Chance zu geben, beschließen sie, nach Norwegen zu reisen und noch einmal glücklich zu sein - zumindest für 24 Stunden.

"Der Schwere der Themen Angststörung und Depression begegnet Regisseurin Sonja Heiss mit großer Leichtigkeit und einem wunderbar musikalischen Film, der mit aufrichtigen Dialogen und entwaffnendem Humor stets den richtigen Ton trifft. Einem Film, der nicht zuletzt durch Laura Tonke, die als Hedi Schneider eine schlicht grandiose schauspielerische Leistung zeigt, zu einer besonderen Kinoerfahrung wird." 3Sat Close up

Weitere Infos und den Kinofinder finden Sie auf www.hedi-schneider.com  



Hirngespinster

Filmtipp: "Hirngespinster" zum Thema Schizophrenie

Am 09. Oktober startete der Film "Hirngespinster" in den deutschen Kinos. 

Der Film erzählt die Geschichte um die Familie des 23-jährigen Simon: Sein Vater leidet an Schizophrenie und hat wegen seiner Anfälle von Verfolgungswahn vor Jahren seine Firma verloren. Der Stress um die Bewerbung für ein neues Projekt löst bei ihm neue gewalttätige Schübe aus. Während Simons Mutter aus Liebe zu ihrem Mann schweigt und seine kleine Schwester versucht ihren Vater von seinem Leid abzulenken, kann Simon die Situation bald nicht mehr ertragen.

Der Film erhält die Auszeichnung „Prädikat besonders wertvoll“ der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW). „Der Film von Christian Bach ist ehrlich und beschönigt nichts. Dennoch schafft er immer wieder kleine Momente der Hoffnung und deutet am Ende für Simon die Chance eines Neuanfangs an. Ein beeindruckender Film, der sich von Klischees fernhält, konsequent erzählt und mit brillanten Schauspielern aufwarten kann. Ein starkes Familiendrama.“

Mehr Informationen zum Film finden sie unter www.kino.de.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


Die Summe meiner einzelnen Teile

Filmtipp: „Die Summe meiner einzelnen Teile“ zum Thema Burnout

Am 2. Februar 2012 kam der neue Film von Regisseur Hans Weingartner „Die Summe meiner einzelnen Teile“ in die Kinos. Seit „Das weiße Rauschen“ ist der studierte Gehirnforscher der Fachmann für intensive Psychodramen im deutschen Kino. In „Die Summe meiner einzelnen Teile“ inszeniert Weingartner eine Tour de Force in die erschöpfte Psyche eines Mathematikers. Darin geht es um einen aufstrebenden Mathematiker, der nach einem Burnout in die Psychiatrie eingewiesen wird. Seine Reintegration scheitert, und er entschließt sich, aus der Gesellschaft auszusteigen. Entstanden ist das intensive Porträt eines Ausgebrannten, der sich selbst erst jenseits der Leistungsgesellschaft wieder entdecken kann.

Einzelheiten finden Sie unter www.mm-filmpresse.de